Die Carozza hatte durch den Wärter erfahren, daß jemand sich um sie kümmerte. Der Beschreibung des Wärters nach war es Spoerri. Sie fand also Gelegenheit, von ihrem Gespräch mit dem Staatsanwalt Mitteilung zu machen und ihre Warnungen anzubringen.

„Gut!“ sagte Wenk jubelnd. Dann wollte er ein übriges tun, und da er mit seiner Vermutung das Richtige getroffen zu haben schien, dachte er, es sei günstig, auch noch verhetzend dieser Seele zuzusetzen. Und er sagte: „Ich bin übrigens in bezug auf die Gräfin einer Spur nachgegangen. Die Gräfin scheint sich bei Ihrem Freund verborgen zu halten.“

Aber er schämte sich über diese Worte so, daß er errötete und mit einer schmerzlichen Inbrunst die paar Begegnungen wiedererlebte, die ihm die Verschwundene so nahegebracht hatten. Doch seine Worte hatten eine ungeahnte Folge. Die Carozza fiel über ihr Lager nieder, schluchzte auf, versuchte zu sprechen, aber die Worte versagten ihr, und sie erhob nur drohend und verzweiflungsvoll ihre Fäuste über den Kopf.

Da ging Wenk ganz plötzlich, in der Meinung, es sei gut, sie in dieser Stimmung nicht zu stören, sondern sie sich weiter in sie hineinhüllen zu lassen. Als er die Tür aufriß, fiel ein Mann gegen ihn, doch war es nur der Wärter. „Ich wollte gerade nach der Gefangenen schauen,“ sagte er.

„Verzeihen Sie!“ entgegnete Wenk und ging davon.

*

Kurz darauf geschah folgendes:

Bei Hengnau an der württembergischen Grenze war ein Mann angehalten und verhaftet worden, der Kühe nach Württemberg treiben wollte. Der Mann stellte sich in den ersten Tagen stumm, dann tobte er. Der Untersuchungsrichter, um ihn einzuschüchtern, sagte ihm eines Tages: „Gestehen Sie nur bald, bevor das neue Gesetz kommt. Wenn Sie vorher abgeurteilt werden, kann es Ihnen mild gehen. Nachher kann es Ihnen den Kopf kosten.“

„Was ist das für ein neues Gesetz?“ fragte er.

„Auf die Vergehen, die die Ernährung des Volkes gefährden, kann Todesstrafe gestellt werden.“