„Ein Himmelstränkli, meine Liebe. Tut nicht im mindesten weh. Vom Doktor selber gebraut. Aber wirf es noch rasch zum Fenster hinaus! Ich mache dir das Fenster schon auf. Vergiß das nicht! Aber ganz rasch, nicht wahr? Sofort werfen! Denn ohne die Flasche merkt kein Mensch, was dir geschah. Ja, das erwartet der Doktor. Das ist dann ein Beweis, an dem nichts mehr zu tüfteln ist. Im übrigen, du kennst uns ja. Selbst ist der Mann ...“
Dabei hob er ein Messer aus der Tasche und spielte leichthin mit ihm. Er warf es an die Tür, und es blieb mit der Spitze wagerecht darin stecken. Er riß es zurück und sackte es wieder ein.
„Siehst du,“ sagte er. „Aber nun muß ich. Also auf Wiedersehen!“
Er wollte gehen. Die Carozza sprang ihm nach und krallte sich an sein Bein an. Sie sank in die Knie. Sie schluchzte: „Ich bin doch jung. Ich lieb’ doch das Leben. Ich habe ihm doch genützt. Ich hoffte befreit zu werden. Von ihm. Wenigstens befreit, wenn er mich schon nicht lieben kann.“
„Na ja,“ sagte Spoerri, „aber wie gesagt, er fühlt sich seitdem beunruhigt. Du kannst es ja halten, wie du willst.“
Die Carozza: „So befrei’ du mich von hier. Ich werde es ihm tausendmal beweisen, daß er meiner sicher sein kann. Ich gebe mein Leben für ihn ...“
„Bitte!“ warf Spoerri roh hinein.
Aber die Frau, losgelassen: „Was bin ich denn? Ein Schatten, der hinter ihm hergeht und sich vor ihm verbirgt, ohne sich von ihm trennen zu können. Tausendmal ... tausendmal ... Befrei’ mich ...“
„Und wenn wir dabei erwischt werden, hängen wir beide, hat er gesagt. Und wer weiß, ob sie dann nicht auch an ihn kommen.“
Da war die Carozza auf einmal gefaßt und sagte: „Gut, es ist wahr! Geh! Und sage ihm ... Nein, du brauchst nichts zu sagen. Ich will dann ja nichts mehr von ihm ...“