Wirklich, wie liebenswürdig die Ungarn sind! sagte sich Wenk. Er fand sich undankbar, daß er auf einmal seine Sympathie für den Kommissar aufgegeben hatte. Es war ihm peinlich vor sich selber.

Den Nachmittag verbrachte Wenk im Archiv der Kriminalpolizei, wo er zusammen mit dem Herrn, der mit ihm den Fall Mabuse behandelte, die Lichtbildersammlung des Erkennungsdienstes durchschaute. Gesicht an Gesicht zog an seinen Augen vorbei. Er wollte nicht aufhören, bis er die ganze Sammlung durchgesehen hatte, und als er nach Hause kam, ganz ermattet von der langwierigen Arbeit, hatte er gerade nur noch Zeit, den Gesellschaftsanzug anzulegen.

XX

Der Polizeidirektor Vörös war pünktlich.

„Wissen Sie, ich muß Ihnen nun noch einiges über unsere Gastgeber und meine Landsleute draußen bei Nikolassee sagen,“ begann er gleich, als das Auto anfuhr. „Es ist ein ehemaliger Fürst von Komor und Komorek, und er hat eine Tänzerin von der Wiener Oper geheiratet. Gegen die Familie natürlich! Sie haben es ihm so bunt gemacht, daß er ihnen eines Tages sagte: ‚Gut! Da habt’s ihr euern Fürsten. Ich pfeif’ euch drauf. Von heut an heiß’ ich Komorek.‘ Und ist dann ausgewandert. Reich war er sowieso und nicht von der Familie abhängig. Das einzige, was er noch vom Fürsten hat, ist eine fürstliche Villa da draußen. Sie werden sie ja sehen. Er wohnt schon an die zehn Jahre dort. Und die Frau ist schick und apart. Aparter als eine Fürstin. Nur natürlich nicht mehr ganz jung. Haben Sie schon zu Nacht gegessen?“

„Nein!“

„Ist auch nicht nötig. Man ist gastfrei bei Komorek. Sie werden etwas an Delikatessen erleben.“

Wenk fragte sich: Weshalb ist er so gesprächig? und ließ den peinlichen Gefühlen gegen den Ungarn wieder freien Lauf.

Wenk war heimlich erregt. Es war schwül in seinem Gemüt. Die Augen schmerzten trotz der Dunkelheit im Auto immer mehr. In ihren Winkeln saß eine unaufhörlich siechende Wundheit, die ihn unglücklich machte. Die tausend Lichtbilder drehten drin durcheinander wie verrückt gehandhabte Signalscheiben, die immer wieder versuchen, sich aufeinanderzupassen, obschon es unmöglich zu machen war.

„Läge ich doch in meinem Bett!“ flehte er.