Nach München? Aber weshalb?

Wenn man ihn richten wollte, weil er die Wege böser Kräfte gestört hatte und ihnen unterlegen war, weshalb setzte man die Rache noch aufs Spiel, indem man ihn stundenlang verschleppte?

Er sah, die Fenster des Autos waren nicht verhängt. Er erblickte Sterne, die mit bebenden Sprüngen die Scheiben durchtanzten. Nach München kam man nicht bis zum Morgen. Bei Tageslicht aber konnte man es unmöglich wagen, ihn gefesselt hinter unbedeckten Scheiben durch halb Deutschland zu fahren.

Man verschleppte ihn irgendwohin. Wohin? Wohin? flehte er inbrünstig.

Es mochte Mitternacht gewesen sein, als er die Villa verließ. Aber auch das war nicht ganz sicher. Denn er wußte gar nichts mehr von dem, was mit ihm geschehen war, während er noch mit der einen Hand den Puls der andern gefaßt gehalten hatte.

Da stand eine raum- und lichtlose Kluft in ihm. Er kam nicht hinein und nicht hindurch. Der Puls war das letzte, was er jenseits noch in der Erinnerung erblicken konnte.

Ja, er wurde zur Richtstätte geführt.

Er erinnerte sich mit einer Sehnsucht, die keine Grenzen hatte, und die ihn wie in ein Meer warf, an seinen toten Vater. Mit allen Sinnen und allen Nerven klammerte er sich an diese von einer schreienden Melancholie hingepeitschten Erinnerungen.

Das Werfen seines haltlosen Körpers im Auto durch Stunden zusammen mit der Erregung seines Innern machte ihn krank. Er besudelte sein Gesicht. So wurde er hilflos und verzagt. Sein Gehirn verließ die Kraft, den Vorstellungen genaue Umrisse zu geben. Spuk trieb aus ihm auf. Teufel spielten Ball mit ihm zwischen dem Gaurisankar und dem Aconcagua, ließen ihn fallen und erhaschten ihn wieder, einen Augenblick, bevor er auf dem einsamen Kap der Guten Hoffnung zerschellte.

Dann wieder war ihm, als sei er von einer riesenhaften schwarzen Hand in eine Höhle gestopft worden wie ein Sack. Die Wände der Höhle waren so eng, daß er sich nicht einmal umlegen konnte. Aber plötzlich, langsam und ohne Unterbrechung, begannen die Wände zu wachsen. Sie wuchsen aber nicht auseinander. Sie bewegten sich von allen Seiten mit demselben Maß auf ihn zu. Und vor ihm stand greifbar schon der Augenblick, in dem die Felsen zwischen sich seine Knochen bersten und sein Hirn zerplatzen ließen.