Wenk sagte sich: Sie kennt dich nicht!
„Steig’ ein! Er geht mit auf die Reise! Es ist kein dritter Sitz da! Steig’ ein, rasch!“ rief Mabuse.
Wenk sah, wie Mabuses Arme die Frau erfaßten und über ihn hinweg in die Gondel hoben. Dann stieg Mabuse nach. Er benutzte als Tritt Wenks angebundenen Leib, und wie er im Führersitz saß, keine zwei Finger breit über Wenk, beugte sich Mabuse herüber zu seinem Kopf und sagte mit rauhem Hohn: „Der Herr machen die Reise mit. Wohin? Glück auf!“
„Fertig?“ fragte Mabuse dann rückwärts.
„Alles in Ordnung!“
Der Propeller klopfte, und unversehens rutschte das Flugzeug in die Bahn, und mit dem Augenblick, wo Wenk den Motor stoßen fühlte, waren die Räder schon vom Boden frei, und die Erde fiel unter seinem halben Auge hinab ins Grausige.
Das Flugzeug stieg jäh aufwärts. Es war Wenk, als stünde sein Körper fast aufrecht. In der Gondel wurde kein Wort gesprochen. Die Luft prallte brutal an ihn, als sei sie aus fliegendem Holz. Bald begann ihn zu frieren. Die Kälte schlug ihm durch den breiten Ausschnitt des Frackhemds mitten ins Herz. Er spürte nur, daß die Kälte immer tiefer in ihn eindrang, wie mit wühlenden Messern. Seine Haare waren starr und standen aufrecht. Sie waren wie Nadeln schmerzhaft in seine Haut gestoßen.
Von aller Fähigkeit zu denken war nichts mehr in ihm als eine mit dunklen Farben aufgemischte, fließende Scheibe. Eine kleine, unklare Vorstellung sprang ihm daraus nun wieder in die Hände: als erleide er ein Martyrium und als erleide er dieses Martyrium der Gräfin Told zuliebe, die er einmal geliebt habe, wo es nicht erlaubt war.
Dann fühlte er einen kurzen Fauststoß an seinen Kopf. Eine Stimme fragte roh wie ein Holzknüttel auf ihn hernieder: „Ist Ihnen viertausend Meter hoch genug?“
Nach wenigen Augenblicken fragte es nochmals: „Oder haben Sie sich aus Angst schon vorher verabschiedet?“