Mit dieser Erkenntnis wurde er plötzlich ganz wach. Er empfand, als sänken hinter seinen Augen Ketten durch, die bestimmt gewesen waren, seinen Geist zu fesseln, und mit offenen Augen schaute er den Professor an, auf einmal von einem unbegreiflichen, gierigen und aufreizenden Mißtrauen gegen ihn befallen. Er war versucht, aufzuspringen und die bebenden Finger von der Karte fortzuschlagen.

„Sie nehmen!“ sagte die harte, große Stimme, wie einen Befehl. Es war dieselbe Stimme, die er vorhin gehört hatte.

Da antwortete Wenk, übermäßig laut, sich vergessend und unwillig: „Nein, ich habe schon gedankt!“

Die vergrößerten Augen in den Scheiben der Gläser blieben stehen, lagen einen Blutschlag lang auf ihm, sprangen zurück wie Hunde vor einem mächtigeren Angreifer. Der alte Herr legte sich etwas nach vorn, bat um Wasser und Kognak und in rascher Folge darum, das Spiel aufgeben und die Bank abtreten zu dürfen. Ein plötzliches Unwohlsein ...

Alle kümmerten sich um ihn, scharten sich um seinen Platz.

Wenk blieb sitzen. Er war betroffen durch den Zusammenhang seines kleinen Erlebnisses mit dem Schwächezustand des Greises. Hing das zusammen? Er fühlte sich verantwortlich für das Zusammenklappen des alten Herrn. Irgendwo in seinem Unterbewußtsein deckte sich verdunkelt eine Vorstellung auf, als habe er mit jenem einen Kampf ausgefochten, und die Folge sei nun das Unwohlsein. Er überlegte, wie er helfen könne ...

Da langte er in die Westentasche und suchte das Fläschchen mit Englischem Salz hervor. Er nahm den Stöpsel ab und hielt es hinüber, indem er sagte: „Vielleicht Englisches Salz? Ich habe grade ...“

Aber da war er sehr erstaunt zu sehen, daß der alte Herr schon fort war.

Das jähe Mißtrauen von vorhin kam zurück. Er erhob sich rasch und drängte sich durch die herumstehenden Spieler. Er wollte dem Manne nach und ihn einholen. Einer erhob die Hand gegen ihn und sagte etwas Unverständliches, als sei er, Wenk, schuld am Zustand des alten Herrn Professors. Aber Wenk fuhr mit der Hand zu seinem Revolver in die Brusttasche. Die Carozza trat ihm entgegen. Er umging sie hastig, den anderen mitziehend. Mit der freien Hand löste er dann den fremden Griff gewaltsam, all seine Kraft einsetzend, von seinem Arm. Befreit eilte er in den Flur hinaus, der lang und halb verdunkelt seitwärts aus dem Haus ging. Er hörte, sobald er ihn betreten hatte, Schritte hinter sich, hastete weiter, schloß eine Tür hinter sich ab, die er durchgehen mußte, und mündete bald in die Nebengasse, wo die Automobile warteten.

Im Schein einer Laterne bemerkte er noch den alten Herrn, nun keineswegs mehr gebückt, sondern mit kräftiger Eile in eines der Autos steigend.