Sie saßen dann in dem großen getäfelten Speisezimmer. Georg brachte ein Nachtessen, das er zubereitet aus München mitgenommen hatte. Er hatte es auf dem elektrischen Herd aufgewärmt. Noch essend, sagte Mabuse: „Wir liquidieren am Bodensee. Die Verluste sind fünf Punkte höher als an Land, nach den Listen, die geführt wurden. Ich habe fünf Millionen Stücke italienischer Fünf-Lire-Stücke aufkaufen lassen. Sie kommen nach Südtirol, müssen über Vorarlberg nach der Schweiz geschafft werden. Organisieren Sie das, Spoerri. Der italienische Mittelsmann ist Dalbelli in Meran. Sie müssen morgen hinreisen. Ich gebe einen Monat Zeit. Damit fangen wir dann zugleich das neue Gebiet an. Die Schweiz ist jetzt scharf gegen Silbereinfuhr. Darum ist die Konkurrenz im Einkauf schwächer. Man bekommt genug Fünf-Lire-Stücke in Italien. Ich habe es auch mit französischem Silber versucht. Aber seit dem Frieden von Versailles ist in Frankreich eine unmögliche Bande in die Geschäfte hineingekommen, die niemandem etwas gönnt, weil sie früher keine Kaufleute gewesen sind. Haben Sie sich gemerkt?“
Spoerri nickte und rechnete heimlich.
„Warten Sie mit dem Rechnen, bis ich alles gesagt habe,“ fuhr Mabuse ihn scharf an.
Spoerri schaute verwirrt auf.
Mabuse fuhr fort: „Mein Vertrauensmann in der Regierung hat mich darüber unterrichtet, daß die Zwangswirtschaft auf Fleisch im nächsten Monat in Bayern beseitigt wird. Die Tatsache wird noch geheimgehalten. Die Preisunterschiede zwischen Bayern und Württemberg sind enorm und werden die erste Woche wenigstens nach der Aufhebung bedeutend bleiben. Aber gut ist, man kauft jetzt schon auf. Notieren Sie sich, daß ich bis zehn Millionen Mark darin anlege. Soviel man bekommt, kaufen. Baldauff ist tüchtig. Sie fragen Mägerle in Stuttgart wegen der Abnahme an. Daß beizeiten für die Kleinarbeit des Hinüberbringens genügend Leute mobil sind! Es muß alles am dritten Tage nach der Ausgabe der Verordnung erledigt sein. Es wird sich um tausend bis zwölfhundert Stück Großvieh handeln. Man schaut wieder etwas auf Qualität. Kein Kleinvieh. Das Risiko ist zu groß. Rechnen Sie es selber aus, bevor Sie Weiteres darin vornehmen. Es sind 30 Prozent mehr zu lösen. Davon können 10 Prozent als Ausgaben verwandt werden. Sie müssen genauer rechnen als das letztemal beim Salvarsan.“
„Ich hatte dabei nicht ...“
„Ich weiß; wie gesagt, nicht genau gerechnet. Pesch scheidet aus. Lassen Sie ihn von der Beseitigungskommission scharf bewachen. Er ist impulsiv. Es darf bei dem geringsten Anzeichen nicht gefaxt werden. Er kann zu Haim gehenkt werden. Man hat den noch heute nicht gefunden ... Wie teuer haben Sie das Cer-Eisen bezahlt?“
„Es war teurer als ...“
„Es ist immer alles teurer, als ... Polen oder die Sowjets können es draufschlagen. Wie teuer?“
„Fünfzig Mark!“