Das tat Mabuse wohl. Das beruhigte und versöhnte ihn. Er wurde gesprächig. Spoerri ging es auf wie ein taubes kleines Glück, daß der Herr freundlich zu ihm ward, daß der furchtbare Wille, der aus dem großen Kopf dieses machtvollen Mannes auf ihn hämmerte, freundliche Worte für ihn herausbrachte und ihm Anerkennung gab.
„Spoerri,“ sagte Mabuse, „ich geh’ mit Ihnen nach Konstanz. Es ist wichtig, daß die jungen Leute uns keine Dummheiten machen!“
Da leuchtete Spoerri. „Ja, wenn sie den Herrn Doktor sehen, dann ist nichts zu fürchten.“
Die beiden blieben tagsüber in der Villa. Mabuse trank, zwang Spoerri aber nicht mehr mitzutun. Vor dem Mittagessen schon war er betrunken.
Spoerri war, müd in Hirn und Blut von dem schweren Rausch der vergangenen Nacht, auf eine überweiche Art um Mabuse besorgt. Er versuchte heimlich mit naiven Kniffen, ihn vom Trinken abzuhalten. Aber Mabuse merkte das bald. „Weg da! Die volle Flasche her! Daß das nicht noch einmal versucht wird!“ sagte er.
Er mußte trinken. Er trank und feuerte seinen bösen, starken Geist an. Seine Phantasie fand im Rausch die Einfälle der großen Geschäfte, wenn sie von seinem Willen alle Ablenkung nach außen fernhielt und der Rausch ihn in sich selber einschloß wie in eine Burg aus Tausendundeiner Nacht.
Das verstand niemand. Der Alkohol war ihm ein Märchenerzähler, war ihm der Strom, der in der Tiefe den Saft des Lebens trug und zum Schöpfen hinreichte. Er badete in ihm wie in der Liebe zu einer Frau, in fließenden Abspannungen, neue Bahnen erspringend, ununterbrochen. Löste alle Gesetze auf und ließ ihn im Eignen uneingeschränkt, hemmungslos wachsend, über alle Grenzen sich dehnen ... sein eignes System, seine eigne Welt und Sonne.
„Spoerri, wie gefällt dir Europa?“ lallt er.
„O gut, Herr Doktor!“ antwortet Spoerri entgegenkommend unbesonnen.
Da brüllt Mabuse ihn an: „Du gehst nicht mit nach Eitopomar, meinem Reich! Europa ist eine Filzlaus. Einer kriecht dem andern ins Fell. Alle überkriechen sich. Sie ertränken sich mit Petroleum. Alle die Filzläuse, die Schmarotzer, die Stinker, die Heimlichen, die Hautjucker. Mit Petroleum, weil sie wissen, daran krepiert man nicht. Eine Hautpore ist schon ein Krater für sie. Aber wenn ich in Eitopomar sein werde ... Spoerri, du gehst nicht mit! Ich geh’ jetzt schlafen. Bis nachher.“