Mabuse torkelte hinaus. Im Schlafzimmer auf seinem Bett, angekleidet, ließ er noch einige Minuten, als sei er selber Weltall, befreit von Grenzen und Räumen, die Ausbrüche seines Willens über sich fließen, Lava und Urschlamm, kochend durch tausend Nächte dem einen Tag entgegen, der ihm in dem fernen Reich alle Macht über Leben und Tod von Tieren, Wäldern und Menschen in seine beiden gierigen Hände geben sollte.
Abends, als die Dämmerung eingebrochen war, fuhren sie nach Konstanz.
Mabuse war nüchtern, schweigsam und mürrisch. Seine Vorstellungen bearbeiteten schon mit harten Schlägen, die in seinen Nerven fühlbar widerzitterten, das Rudel junger Burschen, das in dieser Stadt, die in die Grenze eingespießt lag wie eine Zecke, seit dem Waffenstillstand für ihn tätig gewesen war. Von dieser selben Stadt aus hatte er begonnen, als der Krieg ihn aus dem eignen und selbstherrlichen Reich seiner Pflanzung auf der Salomonen-Insel nach Europa zurückgeworfen hatte und er sich hier mit der sprengenden Macht seines Willens nicht besser zurechtfand als damals, da er, nach dem Examen, die Südsee gegen eine Arztkarriere in einer süddeutschen Stadt getauscht hatte.
VI
Wenk erwachte an einem Gefühl von Kälte, das ihn mit Schauern überhüpfte. Er zog den Mantel fest, in der Meinung, es sei die entglittene Bettdecke. Bald ward er seinen Irrtum gewahr. Er erhob sich. Ein taumeliges Gefühl bohrte sich, noch Erinnerungen erstickend, durch seine Adern. Langsam besann er sich. Er sah gleich, wo er war. Die Schloßgebäude durchleuchteten die Nacht.
Er sprang heftig auf und ging davon. Halb erstarrt. Er mußte rechts und links und hin und her springen, um seinem Körper wieder Wärme zuzuführen. Wie spät war es?
Er griff nach der Uhr. Sie fehlte. Dann durchsuchte er seine Taschen. Seine Brieftasche fehlte ebenfalls, und mit ihr sein Geld und sein Notizbuch. Er war einem Räuber in die Hände gefallen. Sonderbar ... wie war es gegangen, daß er mit dem Leben davongekommen war?
Da auf einmal empfand er einen wilden Schrecken. Er faßte sich an den Kopf und drückte die Schläfen fest, um des verzweifelten Gefühls Meister zu werden. Sein Notizbuch fehlte auch. In diesem Notizbuch standen Adressen, Beobachtungen, Mitteilungen, Anweisungen, Pläne ... Das erste, was er sich davon erinnerte, war die erste Seite, auf der die ganze Geschichte mit Hulls 20000 Mark stand ...
Wenk lief jetzt gradaus. Als ob er sein Notizbuch einholen könnte! Er stürmte, daß ihm der Atem verging. Etwas lief ihm davon. Er hielt an und fragte sich: Was ist jetzt zu tun? Auf den nächsten Bahnhof? Aber wie spät ist es? Vielleicht ist es fünf Uhr, vielleicht erst eins! Und der erste Zug? Warten ... vier, fünf Stunden vor einem geschlossenen Bahnhof warten!
Sollte er nicht jemand im Schloß wecken? Dann müßte er erzählen.