Sie war entschlossen, Wenk zu folgen, und war ganz seinen Gedanken anheimgegeben. Sie schob ihr Leben, wie sie es bisher geführt hatte: tagsüber Dame und nachts auf der Jagd nach dem Erleben kühner und dunkler Dinge, die sich nie erfüllten, weit von sich.

*

Wenk fand am nächsten Morgen unter seiner Post ein kleines eingeschriebenes Paket. Als er es öffnete, lagen seine Uhr und seine Brieftasche drin mit allem Geld. Nur das Notizbuch fehlte. Auf einem Zettel war in Maschinenschrift folgendes zu lesen: „Ich bin kein Leichenfledderer. Die Sachen, die mein Angestellter irrtümlich von Ihnen nahm, erstatte ich Ihnen hiermit zurück. Das Notizbuch behalte ich, weil sein Inhalt mich angeht. Balling.“

Wenk war nicht überrascht. Jener spielte um Zehntausende. Was waren ihm einige hundert Mark und eine goldene Uhr? Auch die Gewißheit, daß der Anschlag wirklich ihm und in engerem Sinne seinem Notizbuch galt, hatte er zu bekommen ja nicht mehr nötig gehabt. Er schob die Uhr und die Tasche ein und setzte seine Gedanken wieder in Trab hinter der lockenden Gräfin her.

Nachmittags wurde er von ihr empfangen. Sie wohnte in einem großen Hause, das sehr reich, aber mit einem Geschmack eingerichtet war, der Wenks Empfinden verletzte. Denn seine Vorstellungen über die Gräfin hatten seit gestern einige Fortschritte gemacht, die es ihm angenehm gestaltet hätten, wenn er sie mit sich in einer stärkeren Übereinstimmung gefühlt hätte, als die Einrichtung dieses Hauses sie bewies.

Gleich an der großen Hallenwand hatte ein Pinsel Menschenakte zu verdehnten Prismen und springenden Kurven, zu Maschinenteilen und Ochsenvierteln zerfleischt. Farbenklatsche standen da aneinander und versuchten den Eintretenden zu zwingen, an die Wut des Temperaments zu glauben, das sie verfertigt hatte. „Ach, ihr seid ja klein und kühl, ihr!“ sagte Wenk zu ihnen hinauf. „Man kann irgendeinen unter euch herausnehmen, und der daneben hat nicht so viel Blut in den Adern, daß er das Verschwinden seines Bruders merkte. So kalt seid ihr.“

Der Diener, in einem Kostüm, dessen dunkle Strenge vornehm von einigen kleinen Silberknöpfchen und blauen Litzchen aufstilisiert war, nahm ihm Mantel und Hut ab und ging voran. Die Gräfin erwartete ihn am Teetisch.

„Wir sind nicht lange allein,“ sagte sie, „mein Mann kommt um fünf Uhr!“

Aber Wenk war von der Aufplusterung dieses Hauses die Laune genommen worden.

Bevor er antwortete, warf er einen flüchtig hinweisenden Blick auf die Wände des Zimmers.