Die Gräfin lachte nur. „Das ist mein Mann,“ sagte sie. „Ich halte das alles für Idiotien. Was soll denn schließlich daraus werden, wenn man eine Bluse malt, an einigen frischgestrichenen Scheunentoren abwischt und dem Beschauer sagt: Sinfonie von Beethoven? Aber, lassen wir jedem das Seine. Oder ist der Herr Staatsanwalt auch expressionistisch?“

„Ich kann das nicht behaupten,“ antwortete Wenk. „Sie behaupten, sie seien das Neue und das andere. Aber unter sich führen sie alle doch dieselbe Geheimsprache. Unser Erlösendes aber kommt nur von einer Persönlichkeit!“

„Sie wollen erlöst sein?“ fragte die Frau. „Erlösen Sie sich denn nicht selber? In Ihrem Beruf? Ich meine, in Ihrer Tätigkeit? Eine andere Erlösung, eine Erlösung von außen gibt es doch nicht!“

„Das ist wahr,“ sagte Wenk einfach und hatte das Bild der Frau wieder eingeholt, das ihn seit gestern verfolgte und ihn beim Betreten des Hauses verlassen hatte. „Das ist übrigens dasselbe, was wir gestern besprachen, als wir von der Wage der Kräfte des Guten und Bösen redeten. Und das wollte ich Ihnen heute nochmals sagen.“

„Ich habe Sie wohl verstanden,“ entgegnete die Gräfin. „Ich kann es Ihnen ja eingestehen: Anfangs dachte ich, Sie suchten ein Liebesabenteuer. Das war mir sehr lustig. Denn weiß Gott, ich suchte etwas anderes in den Spielhäusern.“

„Sie werden, was Sie suchen, in meinem Werk finden, Frau Gräfin,“ wandte Wenk rasch ein.

Da stand lautlos plötzlich der Diener im schwarzen Anzug mit den Silberknöpfchen und den blauen stilisierenden Litzchen hinter dem Sessel der Gräfin und neigte sich flüsternd zu ihr.

Die Gräfin sagte zu Wenk: „Mein Mann!“ Sie sah Wenk ruhig und verweilend an, und als der Graf kam, stellte sie die beiden Herren einander vor.

Der Graf Told war ein übermäßig schlanker, mit einer übertriebenen Lebhaftigkeit wirkender Mann. Er war auffallend jung. Er war mit Anspruch elegant gekleidet. Er hatte ein besonderes Spiel der Hände, wobei ein Ring immer wieder in den Vordergrund kam, in dem ein Stein eingelassen war, wie ihn Wenk niemals gesehen hatte.

Es mochte ein Rauchtopas sein, aber von blutigen Blitzen durchzuckt, die, milchig an den Rändern verlaufend, die kleine klare Honigglut des durchsichtigen Gesteins überschrien. Und mittendrin, wo sich all die grellen Blitze trafen, hoben sie ein Perlchen hervor, eine Insel, nicht größer als eine winzige Linse. Die aber war von einem Blau, daß ein Saphir melancholisch wurde und ein ... Das dachte sich Wenk und wandte keinen Blick von dem Stein.