„Er ist ein wenig zu groß für meine Hand,“ sagte der Graf, der die Blicke des Besuchers auf diese Weise beantwortete, „aber der Stein ist so ... wie soll ich seine Ungewöhnlichkeit bezeichnen ... nun, ich sage nichts anderes, so wie eine Erzählung von Endivian, der Ihnen gewiß bekannt ist, und von dem ich ihn auch habe. Er brachte ihn mit aus Penderappopimur.“
„Ist das jetzt der modische Edelsteinhändler?“ fragte Wenk, der ein wenig betroffen und keineswegs im Bild war.
„Herr von Wenk,“ sagte die Gräfin ernsthaft ... „Endivian ist jetzt der modische junge Goethe dieses Vierteljahrs.“ Dann lachte sie: „Nein! Endivian, der Dichter, bekam den Stein am Hof Abtimurksers II. statt des Bechers aus dem Gedicht seines geistigen Vaters ... Sie wissen: Die goldene Kette gib mir nicht. Und als er zurückkam, schrieb er ihn aus in Deutschland, sozusagen, wie der Papst die Tugendrose: sein größter Bewunderer sollte ihn haben. Die Wahl traf meinen Mann. Besser, er hätte mir ihn gegeben.“
„Weshalb schwärmst du nicht für ihn wie ich?“ fragte mit mildem Lächeln der Graf Told und voll Verliebtheit sie anblickend.
„Peter Resch hat seine papiernen Lenden angedichtet. Das gibt dir darauf die Antwort!“ lachte die Gräfin zurück.
„Pfui, Peter Resch,“ sagte der Graf. „Er ist einer von den arrivierten Impressionisten. Übrigens habe ich eine neue Erwerbung gemacht, Liebste.“
„Bei den Juryfreien?“
„Kann man anderswo noch Bilder kaufen? Da ist überhaupt nichts mehr ... Und man hat die ganz klare, unzweifelhaft eindeutige Empfindung: Wenn dies Malertemperament doch auch noch auf die Farben verzichten könnte ... Es ist der Beginn der Abstraktion von allem, was zur Vermittlung der Vision eines fremden Bewußtseins Hilfsmittel braucht, die in der Schöpfung außerhalb der betreffenden Kunst liegen.“
Scheinbar ernsthaft erwiderte die Gräfin: „Gott sei Dank, man kommt weiter. Wenn wir nun auch auf dem Gebiet der Musik das Genie in Aussicht hätten, das auf den Lärm der Töne verzichten kann, um sich mitzuteilen, so wäre die Welt an ihrem Ziel angelangt.“
Der Graf schwärmend: „... Eine hehre Atmosphärenlosigkeit ... in zwei Blau ... die sich gegenseitig wie auf einer Himmelsleiter zwischen Sturm und Blitz in die Weltharmonie schleudern ...“