„Worauf Gott seinen Thron verläßt, lieber Herr Staatsanwalt, sprechend: Mein Geschöpf hat mich überholt, adieu!“
Auf diese Weise ging das Gespräch noch eine Weile weiter, und es blieb Wenk eine Stunde später nichts anderes übrig, als sich zu empfehlen. Er war traurig, als er nach Hause fuhr.
Kaum saß er eine Viertelstunde an seinem Tisch, als ihm ein Brief übergeben wurde. Er las:
„Sehr geehrter Herr von Wenk,
es tut mir leid, daß unsere Zusammenkunft anders verlief, als wir beide gedacht hatten. Nicht deshalb schreibe ich Ihnen, denn wir können unsere Gespräche an einem andern Ort und zu einer andern Zeit ja wieder aufnehmen. Aber es könnte sein, daß Sie unser Haus mit der Empfindung verlassen haben, als ob mein Mann so etwas wie ein ‚kleiner Narr‘ wäre. Auch in meinen Augen. Ich bin daran schuld, und ich habe deshalb solche Eile, Sie zu beschwören, diese irrtümliche, durch mich verschuldete Einschätzung eines Menschen nicht in sich festsetzen zu lassen. Es ist wahr, mein Mann kauft expressionistische Bilder. Aber das ist mehr symbolisch aufzufassen. Ich habe immer gefunden, je ‚närrischer‘ ein Mensch beim ersten Zusammentreffen erschien, um so heftiger näherte er sich einem, wenn man ihn in ernsteren Augenblicken wieder traf.
Auf Wiedersehen ... wann? und wo? ... Ihre
Gräfin Dusy Told.“
„Dusy heißt sie!“ sagte Wenk laut vor sich hin. „Lieb’ du sie! Küss’ du sie! ... Toll! ...“ Es überkam Wenk wie ein Strudel eines heißen Klimas, nach dem er sich immer sehnte ...
Dann stand er auf, schüttelte die feuchten, warmen Schauer von sich und sagte bissig gegen sich selber: „Das ist ein lieblicher Weg zu dem Verbrecher ... über die Verliebtheit in eine schöne Frau.“
Der Fernsprecher läutete. „Hier Hull!“