An der Decke, die kreisrund über dem Tisch von den Logenwänden umspannt war, stand ein Spiel von Pferden in verschiedenen Farben. Die Pferdchen waren von einem expressionistischen Bildhauer als Silhouetten aus Messing geschnitten und mit Kupferemaille in ihren verschiedenen Farben bemalt worden. Sie wurden vom Bankhalter mit einer Kurbel in Bewegung gesetzt. Unter den Pferden in der Mitte hing ein kleiner Scheinwerfer, der, nach unten abgeblendet, sein Licht gegen die Decke goß.

In diesem Licht liefen die Pferde gegen die Decke, und die Decke war mit dem Spektrum der Farben in Kreisen bunt bemalt, so daß stets ein helles Pferd gegen eine dunkle und ein dunkles gegen eine helle Farbe lief, verfolgt von ihren Schatten. Das brachte ein Durcheinander zustande, das, je rascher der Lauf, um so stärker vervielfacht erschien.

Das Ziel war durch eine dünne Leiste von Glühbirnchen gebildet, die in die Decke eingelassen war. An jeder Loge war ein System von Spiegeln angebracht, durch das man untrüglich den Sieger erkennen konnte.

Wenk und seine Gesellschaft nahmen Platz in einer Loge für vier Personen, die ihnen vorbehalten zu sein schien. Die Carozza und Karstens saßen zusammen vorn, hinter ihnen die beiden andern Herren.

Der Bankhalter, als sich die Logen alle gefüllt hatten, erhob seinen sehr eleganten Frack aus der Mitte des Tisches, und wie auf einer mechanisch rotierenden Scheibe, langsam auf seinem Stuhl rundum gehend, hielt er folgende Ansprache:

„Meine Damen, meine Herren!

Dies ist das Haus ‚Fort‘. ‚Fort‘ vereinigt die Wurzel von stark und von Glück. Wir leben in einer bunten Zeit, und unser Unternehmen hat versucht, ihren gesteigerten Ansprüchen gerecht zu werden. Sie können hier spielen: Solo! à deux! en compagnie! Wie Sie wollen. Solo, indem Sie sich wie in ein Domino in eine Loge zu einer Person verbergen, gleich dieser reizenden Dame, von der ich allerdings nicht mehr sehe, ja ahne, als den rosa Reiherbusch in ihrem Haar ... Sie können, wenn Sie sich lieben und in der Verbindung der Herzen eine captatio benevolentiae für das Glück sehen, sich zu zweit von allen Anwesenden in die düstere Laube jener Loge zum Beispiel absondern, in der der elegante Kavalier gerade seine Dame ... vermute ich natürlich nur; denn ich sehe von hier aus nicht mehr als die vor dem Einsatztablett errichteten Zahlen, die auf das Glück gesetzt werden ... An der Decke finden Sie, meine Damen, meine Herren, unser Spiel, unser Hausspiel möchte ich es nennen, denn außer ihm steht Ihnen jedes andere Spiel zur Verfügung. Les petits chevaux des Hauses ‚Fort‘. Einer unserer ersten Künstler, dessen Namen Sie in den Ausstellungen und Zeitschriften ununterbrochen begegnen, hat sie für unser Haus ‚Fort‘ geschaffen und sie selber hergestellt. Der Kunst haben wir die Technik vereint, die stärkste Tochter unserer Zeit. Das Spiegelsystem erlaubt Ihnen, von jedem Platz aus sofort und sicher zu erkennen, ob Ihr Pferd das Finish macht. Erlauben Sie mir noch, Sie auf das angenehme, sehr kunstreiche Spiel und Gegenspiel aufmerksam zu machen, das, drehe ich an der Kurbel, über Ihnen sich an der Decke entwickelt. Peter Schlemihl hatte keinen Schatten. Von unseren petits chevaux kann man das nicht sagen. Schauen Sie bitte hin, in welch kunstvoller Weise sich Figuren und Schatten zu einem Werk vereinigen, das in dieser reichen und originellen Absichtlichkeit unserem Hauskünstler höchste Ehre macht ...“

Er drehte an der Kurbel. Pferde und Schatten liefen wie in einem Kaleidoskop durcheinander. Es war ein hübsches, spielerisches Bild.

Langsam liefen die Pferde aus.

„Auf das hätte ich gesetzt!“ rief eine Frauenstimme, als der Isabellenschimmel am Zielband hielt. Am Kopf des Schimmels leuchteten auf einmal die Augen wie zwei Sterne. Sie waren von kleinen Glühbirnen gebildet.