Karstens wandte sich in demselben Augenblick zu ihr. Er trennte sie von Wenk, der den Saal ungestört verlassen konnte. Im Vorzimmer nahm er rasch seinen Mantel. Er wurde hinuntergeleitet. Der Diener schloß die Haustür vor ihm auf. Bevor er aber öffnete, schaute der Diener durch das Guckloch, das in die Tür eingelassen war, auf die Straße.
Da machte er ungeheuer aufgeregt: „Mein Herr, ein Polizist!“
Aber er öffnete trotzdem. Wenk trat hinaus. Der Polizist grüßte ihn. Wenk sah, daß der Beamte lachte. Der Diener in der Tür lachte auch. Der Polizist war vom Haus „Fort“ hingestellt worden. Wenn ein wirklicher Polizist in die Straße wollte, erklärte der Hausdiener rasch dem Davongehenden, sah er, daß sie schon bewacht war, und ging.
Wenk schritt rasch auf die Stelle zu, wohin er sein Auto bestellt hatte. Er war entschlossen, dies Haus schließen zu lassen. Nur wollte er verhindern, daß das Eingreifen der Polizei durch die Zeitungen bekannt gemacht wurde und die Feder eines Reporters der armen Phantasie der Leser mit der ganzen Dummheit einheizte, als seien im Geheimen der Stadt weiß Gott was für raffinierte Lasterhöhlen.
Er überlegte während der Fahrt die Formulierung der Anzeige. Möglichst ohne Bezeichnung des Sachverhalts. Kurz etwa: Grober Unfug, Irreführung des Publikums, schwindelhafte Vorspiegelungen oder so ähnlich.
Er arbeitete lebhaft, versenkte sich immer tiefer in den Kampf mit dem Haus „Fort“ und hielt, noch im Auto, ein Plaidoyer als Staatsanwalt, das mit allen geschickten Kniffen, mit scharfen geistigen Schnitten der Öffentlichkeit diese Beule wegnahm, ohne daß sie merkte, was es eigentlich war.
Bevor er einschlief, dachte er auf einmal, scheinbar ohne Zusammenhang mit seinen Vorstellungen, an Hull. Hull war ihm in einer plötzlichen Erleuchtung wie ein Symbol des jungen Mannes der Zeit. Verbunden mit einem aufgedonnerten Nichts von einem Weib, das sich auf einer Bühne mit Talent zur Schau stellte. Elegant gekleidet, ohne elegant zu sein. Ruhelos den nervenauftreibenden Nächten ergeben und in einem Leben zwischen Spieltisch, Nachtlokal und Tänzerinnenbett Erfüllung suchend, wo es ihm gar nicht so ums Herz war und er mit mehr Genugtuung und Selbstverständlichkeit einen Gutshof geführt oder ein angesehenes, ruhiges Amt verwaltet und dazu gesetzliche Kinder gezeugt hätte, wenn er nur den Dreh gefunden ...
Sie spielten alle so Kraftmenschen auf ihren Nerven und Sinnen und waren Bürger, zur Behäbigkeit neigend, denen Sinne mehr Qual als Lebensziel waren und die Nerven in kleinen, dünnen Bündeln sich zwischen arme Adern verbargen, zu schwach selbst, dem Leben diesen ruhigen Gang abzuringen, für den es von Haus aus bei ihnen bestimmt war ... diese Renaissance-Menschen zwischen Mitternacht und Morgenfrühe!
Er telephonierte dann noch an die Polizei die Adresse des Spielhauses. Der Beamte, der Herrn Hull zu überwachen hätte, sollte sich gleich hinbegeben, aber nichts anderes tun, was er auch sähe, als den Herrn im Auge behalten, sobald der das Haus verließe.
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