„Etwas vor zwei Uhr kam der Ermordete mit einem andern Herrn und einer Dame aus dem Haus, das mir bezeichnet worden war. Vor dem Haus hat ein Polizeibeamter gestanden. Das kam mir auffällig vor. Ich fragte mich: Weshalb steht der Polizeibeamte da, statt herumzugehen? Ich sah ihn wenigstens eine Stunde so stehen. Dann wollte ich ihn anreden. Ich ging auf ihn zu. Er sagte mir barsch: ‚Was wollen Sie? Gehen Sie weiter!‘ und rückte mir bedrohend entgegen. Ich wollte ihm meine Erkennungsmarke zeigen. In diesem Augenblick aber öffnete sich die Tür, und ich sah, daß einer herauskam, in dem ich trotz der Finsternis gleich Herrn Hull erkannte. Der Polizist drängte mich weg. Ich wollte zuerst kein Aufsehen machen und ließ mich abdrängen. Ich sah, daß mit Herrn Hull noch die Dame und ein anderer Herr war.
„Sie gingen rasch in der Richtung der Ludwigstraße davon. Ich war mit dem Polizisten etwa drei Häuser in der entgegengesetzten Richtung. Da wandte er sich zum Haus zurück und sagte mir: ‚Nun gehen Sie im Guten!‘ Ich kümmerte mich nun nicht weiter um ihn und folgte in einem Abstand, der ziemlich groß war, den drei Herrschaften. Sie bogen aus der Türkenstraße in die Gabelsbergerstraße ein und verschwanden mir.
„Ich eilte nach und sah sie nicht mehr. Sie konnten aber höchstens bis zur Jägerstraße gekommen sein. Da lief ich. Ich lief in die Jägerstraße hinein. Plötzlich hörte ich Schreie. Sie waren ganz unterdrückt und spitz. Ich wußte vom Feld her, daß so Menschen schreien, die im Todesschrecken sind. Ich begann gleich, bevor ich noch jemanden sah, in meine Signalpfeife zu blasen und lief, was ich konnte, in die Gasse hinein. Zugleich zog ich meinen Revolver.
„Ich kam aber nicht weit. Auf einmal ward ich von hinten umfaßt. Meine Augen brannten mich furchtbar. Ich spürte einen Stich in der Schulter. Ich wollte meinen Revolver abdrücken, aber ich hatte ihn nicht mehr in der Hand. Mein Arm war mir ganz lahm. Da dachte ich, es sei am besten, ich werfe mich nieder und tue so, als ob ich tot sei. Das hatte unser Herr Major uns im Feld so angeraten. Da lag ich dann, und einer saß auf mir und hieb mit etwas auf mich ein, indem er mir den Mund zuhielt. Vielleicht waren es auch zwei. Ich sah es nicht, denn ich schloß die Augen. Sie müssen aus einer Haustür auf mich losgestürzt sein. Ich war dann halb betäubt.
„Wie es weiterging, weiß ich nicht mehr genau. Ich hörte nur Schritte laufen. Ich wurde aufgehoben. Es war ein Kollege. Ich sagte ihm rasch alles, was ich erlebt hatte. Da lief er weiter in die Gasse. Ein zweiter kam angelaufen. ‚Polizei?‘ fragte ich ihm laut entgegen. ‚Ja!‘ rief er zurück, ‚was ist los?‘ — ‚Lauf um die Ecke, rasch!‘ rief ich.
„Ich zwang mich aufzustehen und fühlte, daß ich nicht so schwer verwundet sein konnte. Nur die Augen vermochte ich nicht zu öffnen. Sie hatten mir Pfeffer hineingerieben. Ich tastete mich um die Ecke. Ich konnte aber gar nichts sehen.
„Der Lärm führte mich zum Tatort. Ich hörte, wie einer sprach und eine Frauenstimme antwortete. ‚Was ist?‘ fragte ich. Da sagte die Stimme: ‚Der eine hat gesagt, wir sollten das Frauenzimmer verhaften.‘
„‚Wer sind Sie, Frau?‘ fragte ich.
„Da antwortete die Frauenstimme:
„‚Ich bin Künstlerin. Ich bin die Freundin von Herrn Hull. Was will man mit mir?‘