„Mehr weiß ... ich nicht ... Ich hab’ ... meine Pflicht ... getan!“
„Das brauchen Sie nicht zu versichern,“ sagte ihm Wenk, „wer seine Haut dransetzt, tut immer seine Pflicht. Wertvolleres als das kann niemand dran wagen! Aber, Herr Boß, nicht wahr, eines versprechen Sie mir gegen Handschlag: Es wird nichts von dem, was Sie heute nacht erlebt oder gesehen haben, weitererzählt ... Herr Doktor, auch Sie bitte ich darum. Es steht viel auf dem Spiel, und zwar für die Allgemeinheit. Ich lege es Ihnen sehr, sehr ans Herz! Es handelt sich nicht um ein Verbrechen, sondern um eine Verbrechergeneration.“
Von dem Beamten, der zuerst an Ort und Stelle war, ließ sich Wenk erzählen, daß er einige Gestalten noch an der Mauer des Parks gesehen habe. Die Finsternis verhinderte, ihre Zahl festzustellen. Er konnte sie auch nicht beschreiben. Er ward aufgehalten durch den einen Herrn, der versuchte sich aufzurichten und sich an seinem Beinkleid anhielt, und der ein paarmal sagte: „Frau verhaften ... Frau verhaften ...“
„Dann erst fiel er hin und ließ mich los,“ erzählte der Beamte weiter. „Ich konnte nun erst den Schritten nachlaufen und sah die Gestalten an der Parkmauer. Aber als ich am Fuß der Mauer war, war nichts mehr von ihnen da. Die Täter müssen sich gegenseitig auf die Mauer hinaufgeholfen haben. Ich wollte ihnen gleich nach, kam aber nicht hinauf, denn es war viel zu hoch. Da ging ich zurück zum Tatort.“
„Und die Frau?“ fragte Wenk. „Was geschah dann mit der?“
„Ich hatte den Eindruck ...“
„Nein, Herr Stamm, nicht Ihren Eindruck will ich kennenlernen, sondern nur, was Sie mit Ihren Augen gesehen und mit Ihren Ohren gehört haben. Seien Sie darin sehr gewissenhaft, nicht wahr?“
„Jawohl, Herr Staatsanwalt. Als ich zurückkam, hielt ein Kollege die Frau fest. Ich rief ihm zu: ‚Verhafte sie! Der Herr dort hat es gesagt. Verhafte sie auf alle Fälle. Halt sie fest! Laß sie nicht fort!‘ Wir waren alle ein wenig aufgeregt. Sie rief, sie wolle den Herrn Staatsanwalt von Wenk sprechen. Sie wollte sich nicht verhaften lassen. Sie setzte uns Widerstand entgegen. Da haben wir ihr die Hände zusammengebunden. Wir waren zu zweit und mußten dem überfallenen und verwundeten Kollegen helfen. Wir wußten noch gar nicht, was los war. Dann erst hatten wir ...“
„Wir? Erzählen Sie nur, was Sie gesehen haben ...“
„Dann erst suchte ich zu erkennen, was geschehen war. Einer lag im Blut am Boden. Er schien tot zu sein; denn er war ganz starr. Der andere stöhnte. Nun kam ein dritter Polizist. Wir schickten ihn zum Telephon wegen des Sanitätswagens und wegen Benachrichtigung der Kriminalpolizei und des Herrn Staatsanwalts. Darum hatte der Kollege Boß gebeten. Wir sollten das zuerst tun, hatte er gesagt.“