Als um elf Uhr der Mann aus dem Gasthof kam, den Wenk für den Chauffeur des blondbärtigen Spielers hielt, stieß ihn der Beamte an und raunte ihm zu: „Das ist er, der Poldringer!“
Wenk sagte: „Es ist derselbe!“
Nachmittags war eine Zusammenkunft beim Kriminalkommissar. Wenk erklärte, es käme darauf an, nicht nur die eine Person, sondern lebend die ganze Gesellschaft auszuheben. Hier bestehe sozusagen nur die Unterabteilung des Münchener Generalkommandos. Und bevor man nicht den Leiter sicher in der Hand habe, sei es ziemlich wertlos, sich dieses Dutzend Angestellter zu sichern. Er rate, sich zuerst nicht durch die Belohnung von fünftausend Mark, die gegen seinen Willen ausgeschrieben worden sei, verlocken zu lassen, sondern, da man nun eines der Nester kenne, dieses gut zu überwachen. Das sei jetzt der sicherste Weg, an den Anführer der Bande zu gelangen. Nehme man jetzt den Chauffeur, so sei der Chef doppelt gewarnt. Und der sei eine der ganz großen Nummern der Kriminalgeschichte aus den letzten Jahrzehnten. Dann sei nicht nur Belohnung durch Geld, sondern Ruhm zu erwarten. Die Beamten versprachen das Ihrige zu tun.
Abends traf Wenk den jungen Mann, der die Autos schieben helfen wollte. Sein Freund sei verreist, sagte er. Die Geschäfte gingen nämlich so schlecht in der letzten Zeit. Die Schweiz sei übersättigt mit deutschen Waren, und die deutschen Behörden seien wieder etwas Meister geworden über den See. Man könne zum Hungern kommen. Aber er wisse, was er täte. Verhungern wolle er nicht. Und eher, als daß er sich durch Hunger aus dem Loch vertreiben lasse, verschreibe er seine Haut der Fremdenlegion. Da sei er wenigstens auch vor der deutschen Behörde sicher. Er könne in Ruhe fressen und in Freiheit sich erschießen lassen. Hier endigten doch alle im Kittchen!
Wenk fragte, wie er es denn anstelle, um in die Fremdenlegion zu kommen? „Das ist einfacher als jemals,“ antwortete er. „Vor dem Krieg mußte man nach Belfort reisen. Das ist nicht mehr nötig. Ich kann mich hier anwerben lassen!“
„Das läßt sich für den äußersten Fall merken,“ sagte Wenk. „Und bei welcher Adresse?“
„Da brauchste nur zum Gasthof ‚Zum schwarzen Stier‘ gehn und nach dem Poldringer fragen. Oder komm abends in die Wirtschaft, wo wir gestern waren. Da saß er. Er hat die janzen Küken an seim Tisch in’ Topf jekriegt! Ich überlegt es mir noch, sagt ich ihm. Wenn unsere Töff-Töff-Sache klappt, hab ich’s nich mehr so nötig. Aber nun ist der Ball nich aufzufinden. Der fingerte so wat jlänzend. Er wird sich wohl nach dem fettern Land drüben durchjeschlagen haben. Übrigens hat der Poldringer sich jestern abend nach dir erkundigt. Was? Du mußt auch ein Schwergewichtler sein. Er meinte, er kenne dir. Ich sagt ihm aber, du kämst von Basel. Du wolltest zwei Autos überschaffen. Dann sagt er: Dann ist er’s doch nicht, der aus München! Ich dacht mir, einer kann in München jewesen sein und ist jetzt doch in Basel, wat?“
„Ich war nie in München,“ sagte Wenk, „nein, er muß sich irren!“
„Ejal! Schieben wir nur unsere Autos jetzt, wat?! Sag, kannst du mir einen Jrünen zulangen, als Abschlagzahlung?“
„Fuffzig?“ fragte Wenk.