Die Eingeborenen waren inzwischen noch zutraulicher geworden und brachten sogar ihre Frauen mit, um ihnen die Fremden zu zeigen und Geschenke zu empfangen, die sie mit einer Würde entgegennahmen, als sprächen täglich Dampfer hier vor. Aber an Bord kam natürlich keine, denn hier, wie in Bongu oder wohin ich sonst in Neu-Guinea kam überall zeigte sich die größte Moral und Decenz, in welchen Papuas vielen Kulturmenschen als leuchtende Beispiele dienen könnten. Ein Mann brachte seine ganze Familie mit, die aus einer Frau und drei Kindern bestand, niedliche Geschöpfe, wie die meisten Papuakinder — und dabei so artig! Da könnten viele unserer Mütter etwas lernen! Mit den Gegengeschenken sah es wie immer äußerst dürftig aus, obwohl Kanus voll Bananen und Zuckerrohr das Schiff umlagerten. Wie gewöhnlich fielen nur einige Kokosnüsse ab, aber vergebens bemühte ich mich, ein Schwein zu erhandeln, mit denen das Dorf so gesegnet war als mit Kindern.
Ja, dieses Bilibili ist eine reiche Insel und ihre Bewohner, die ich auf ca. 200 bis 250 schätze, sind die Patrizier von Astrolabe-Bai, die sich ihre Stellung jedenfalls oft zu erkämpfen hatten. Davon zeugten die oft häßlichen Speer- und Pfeilwunden, die ich am Körper so manches Kriegers bemerkte. Wenn die Wehrhaftigkeit, die aus dem ganzen Aussehen dieser Männer spricht, ihnen die dominierende Stellung über die Küstenstämme verschaffte, so haben sie diese auch der geschützten Lage ihrer Insel zu verdanken, die behagliche Wohlhabenheit aber ihrem Fleiße und ihrer Betriebsamkeit. Denn nicht nur als treffliche Ackerbauer lernten wir die Bilibiliten kennen, sondern auch als ausgezeichnete Schiffsbauer und Industrielle. Die Insel ist nämlich berühmt wegen ihrer Töpferei. Das Gewerbe ruht wie überall in Neu-Guinea ausschließend in den Händen der Frauen und geschieht in derselben einfachen Weise als an der Südostküste. Die Töpfe werden nur mit Hilfe eines flachen Steines und eines kleinen Holzschlegels verfertigt, gleichsam aus dem Klumpen Lehm getrieben, was ein ganz wunderbares Augenmaß erfordert. Das Brennen geschieht in derselben einfachen Weise wie in Port Moresby im Freien, indem die sorgfältig im Schatten getrockneten Töpfe leicht mit Holz überdeckt und beim Anzünden desselben kurze Zeit einer scharfen Glut ausgesetzt werden. Aber das Fabrikat scheint im ganzen besser und haltbarer, z. T. eleganter, als das an der Südostküste. So sah ich unter anderem mit Buckeln ornamentierte Töpfe. Aber die unbedeutenden, häufig durch Nägeleindrücke hervorgebrachten, Muster sind wohl kein Ornament, sondern wie in Port Moresby Handelsmarke. Wie meine Skizze eine Töpferin in der Arbeit zeigt, so auch die eigentümliche kugelige Form der Töpfe, die fast über ganz Neu-Guinea dieselbe ist. Auch hier werden vorzugsweis zwei Sorten Töpfe angefertigt, eine mit weiter Öffnung zum Kochen (Bodi) und eine mit enger, als Wassergefäße (Io). Wie Port Moresby an der Südostküste Neu-Guineas das Centrum der Töpferei und des Topfhandels bildet, so Bilibili für Astrolabe-Bai und wahrscheinlich weiter darüber hinaus. Die »Wab« (Töpfe), welche wir in Konstantinhafen sahen, stammten von hier, wie die unternehmenden Bilibiliten, als sie uns dort wiederholt besuchten, gleich ganze Kanuladungen ihres Fabrikates mitbrachten.
Töpferin auf Bilibili.
Zum Vertriebe desselben dienen ihre trefflichen Kanus, die besten in ganz Astrolabe-Bai. Sie bestehen wie überall im wesentlichen aus einem 20 bis 30 Fuß langen ausgehöhlten Baumstamm, dem aber jederseits ein oft zwei Bretter aufgelascht sind, so daß das Fahrzeug dadurch bedeutend höher und tragfähiger wird. Diese Seitenborde schmückt öfters bunte Malerei, Figuren von Fischen, Schildkröten, Vögeln darstellend. Der Baumstamm, welcher den Hauptteil des Fahrzeuges bildet, läuft jederseits in eine Spitze aus, die Bordplanken in einen S förmig gebogenen Schnabel. Das Auslegergerüst besteht aus zwei langen Querhölzern und einem ca. 14 Fuß langen, ziemlich schwachen Auslegerbalken (Balancier). In der Mitte des Kanu ist eine Plattform angebracht, auf welcher sich zuweilen ein Aufbau, gleich einem großen Käfig erhebt, und der nicht selten überdeckt, eine Art kleiner Hütte bildet. Hier werden Waren (Töpfe), Vorräte und Waffen untergebracht; auch steht hier ein Topfscherben mit glimmenden Kohlen. Das Fahrzeug besitzt einen, zuweilen zwei Maste, mit mächtigem Segel aus Mattengeflecht. Die Spitze des Mastes ist häufig mit einem roh aus Holz geschnitzten Vogel verziert oder mit rotbemalten Nautilusmuscheln, sonst ist kein Schnitzwerk vorhanden. Der Anker besteht aus einem Stück Baumstamm, an welchem die abgehackten Äste die Haken bilden, und wird mit Steinen beschwert; als Ankertau dient ein starker Rotang. Diese Fahrzeuge segeln sehr gut, und halten sich selbst bei unruhiger See trefflich, aber die Bilibiliten sind im ganzen wie alle Papuas keine großen Seefahrer, obwohl sie ihre Fahrten bis Karkar (Dampier-Insel) ausdehnen. Sie verlieren aber auch bei dieser nur 40 Meilen weiten Fahrt Land nie aus Sicht und pflegen bei unruhigem oder drohendem Wetter überhaupt nicht auszugehen. Überdies ist ja das Meer hier im ganzen meist ruhig. Kleine Kanus sind übrigens, um dies noch beiläufig zu erwähnen, ganz so wie in Bongu (Taf. VI, 1).
Handels-Kanu.
Nur zu schnell mußten wir von dem schönen und interessanten Bilibili scheiden, zum größten Leidwesen der Bewohner selbst, mit denen wir die beste Freundschaft geschlossen hatten, was ja auch zu den Aufgaben unserer Expedition gehörte. Zwei weitere Besuche auf der Insel bewiesen uns dies am deutlichsten und unsere Freunde Ur und Kaschom, die mit zu den ersten Häuptlingen Bilibilis zu gehören scheinen, werden uns in so gutem Andenken behalten, wie wir sie. Für Missionsunternehmen giebt es übrigens keinen besseren Platz als Bilibili, aus Gründen, die ich hier nicht weiter erörtern will, und so kann ich die Insel der deutschen Mission, die am ersten dazu berufen ist, Licht in jene Regionen zu bringen, nur bestens empfehlen.
Nordwärts von Bilibili passierten wir drei kleinere, dichtbewaldete Inseln, von denen nur die mittlere, Jambom der Eingeborenen (Colomb-Insel[25] der deutschen Karten), bewohnt ist, und deren Bewohner uns durch Winken mit grünen Zweigen ans Land einluden. Wir konnten uns aber nicht aufhalten, sondern dampften längs der Küste weiter, die mit dichtem Urwald bedeckt ist und wenig bewohnt scheint, denn wir sahen nur ein Dorf und auch sonst keinen Rauch oder Anzeichen von Menschen. Wir näherten uns den »Dreißig Inseln oder dem Archipel der zufriedenen Menschen« ein Labyrinth von Inseln und Wasserstraßen, von dessen Charakter man erst bei näherer Untersuchung Kunde erhält. Gleich hinter der ersten etwas vorspringenden Ecke, die ich später Kap Kusserow nannte, öffnet sich eine Meeresstraße, die uns sehr der Untersuchung wert schien. Das Whaleboot wurde daher rasch klar gemacht, und Kapitän Dallmann und ich ließen uns, vorsichtig das Lot werfend, hineinrudern. Bald zeigte es sich, daß das rechte nördliche Ufer nicht Festland, sondern eine Insel war, deren Bewohner in nicht geringe Aufregung gerieten. Die großen Signaltrommeln ließen bald ihren dumpfen Klang ertönen, dazwischen rief die Muscheltrompete die Krieger herbei und bald nahten sich bewaffnete Kanus. Obwohl hier eine ganz andere Sprache gesprochen wird als bei Port Konstantin und selbst auf dem kaum sieben Meilen entfernten Bilibili, machte ich den Leuten unsere friedlichen Zwecke bald klar, und mittelst einiger Geschenke hatte ich mir schnell neue Freunde erworben. Wir fanden an der Westseite der Insel, Grager oder Gragr der Eingeborenen (»Fischel-Insel« der deutschen Karten), eine hübsche Bucht, vollkommen geschützt und weit besser als Konstantinhafen, die ich nach einer lieben Freundin Elisabeth-Bucht nannte. Wir eilten mit dieser froher Kunde nach der Samoa zurück, die gerade noch vor Dunkelwerden glücklich hier in 4½ Faden Tiefe zu Anker gebracht wurde. Wir hatten übrigens eine sehr unruhige Nacht in Elisabeth-Bucht und unsere Schwarzen fürchteten sich vorn zu schlafen. Auch die Eingeborenen waren die ganze Nacht auf den Beinen; wir konnten sie beim Scheine großer Feuer sehen und sogar sprechen hören, dazu der Lärm großer und kleiner Trommeln, Muscheltrompeten dazwischen und von oben herab mächtiger Donner! Schwere, schwarze Wolken schienen sich fast auf die Mastspitzen herabzusenken, jeden Augenblick erwarteten wir den Ausbruch des heftigsten Platzregens, aber wie so oft in den Tropen blieb es nur bei Donner und Wetterleuchten, das letztere in so intensiver Stärke, wie man es selten anderswo sehen wird. Fast ununterbrochen zuckten die grellen Lichter, so daß momentan das Dorf deutlich sichtbar war; in der That eine großartig schauerlich schöne Erscheinung, die Neulingen wohl Furcht einflößen konnte. Da man Eingeborenen nie trauen darf, so waren Vorsichtsmaßregeln getroffen, besonders Blaufeuer und Raketen zurecht gelegt, die allemal den gewünschten Erfolg haben. Am anderen Morgen setzten die Eingeborenen ihre Trommelei und Singerei unverdrossen fort, denn sie feierten, wie uns ein Besuch an Land sogleich lehrte, eines jener Feste, die oft mehrere Tage und Nächte dauern. Wie alle Inseln des Archipel der zufriedenen Menschen besteht auch Grager aus dichtem Korallfels und ist dicht bewaldet, hat aber nur wenig Kokospalmen aufzuweisen; ich zählte nur 70. Die Insel besitzt zwei kleine Dörfer, von je 12 bis 15 kleinen Häusern, Grager und Tebog, von denen die erstere etwas größere der Insel den Namen verschaffte. Denn gewöhnlich haben die Eingeborenen keine Eigennamen für Landstriche oder Inseln, sondern benennen solche nach den hervorragendsten Siedelungen. In jedem Dorfe war ein Versammlungshaus, klein, unbedeutend und ohne allen Schmuck von Schnitzereien. Im Inneren befanden sich nur die bekannten Lagerstätten, Holztrommeln, Schilde und Schweinekinnladen. Ein paar der letzteren dienten, wie einige Stücke gekochten fetten Schweinefleisches, sorgfältig in Blätter eingepackt aufgehangen, als Erinnerung des soeben begangenen Festes, eines »Marsap«, wie diese Feste hier statt des »Ai« in Konstantinhafen heißen. Da an solchen die Frauen nicht teilnehmen, ja kaum die Töne der dabei gebrauchten Instrumente hören dürfen, so verwunderte mich deren Abwesenheit nicht im geringsten, aber die Bewaffnung der Männer erschien außergewöhnlich und als eine Vorsichtsmaßregel angesichts des ungewöhnlichen Besuches. Das Fest hatte übrigens viel Teilnehmer von den Nachbarinseln versammelt, die mit reichgefüllten Schüsseln sich in ihren Kanus heimwärts begaben und gewiß viel über die Fremdlinge zu erzählen wußten. Wie überall giebt nur ein Fest Gelegenheit, Papuas in vollem Aufputz zu sehen; ich ließ dieselbe nicht ungenützt vorübergehen. Hier einige Aufzeichnungen, welche zugleich für den ganzen Archipel, ja Astrolabe-Bai allgemein gültig sind und junge Stutzer (wie [S. 87]) in vollem Staate betreffen. Das Haar, sorgfältig in eine weit abstehende Wolke aufgezaust, ist rot gefärbt und wird von zwei »Dedal« festgehalten. So heißen ca. 3–5 mm schmale zierlich durchbrochen gearbeitete Bändchen, aus fein gespaltener Pflanzenfaser oder dergl., mittelst Kalk weiß gefärbt, die ganz wie gehäkelt aussehen und mit zu den reizendsten Zieraten der Papuas gehören (vergl. Atl. XVII 7, 8). Ich fand sie nur in diesem Gebiet. Jederseits hinter dem Ohr steckt ein Kamm (XVII. 1) aus Bambu, »Gatentaun«, in der Form dem unserer Frauen ganz ähnlich, dessen ca. 5–6 cm breiter Rand zierlich durchbrochen gearbeitet und rot bemalt ist. Dieser Kamm wird hinterseits mit einem Büschel Kasuarfedern (Tuar), frischen, grünen, feinen Farn, wohlriechenden Kräutern oder mit dem »Ssi« geschmückt. Letzterer ist ein zierlich mit abwechselnd gelb, rot und schwarz gefärbtem Gras umwundenes kurzes, dünnes Stäbchen, zuweilen mit einer weißen Hahnenfeder versehen, das auch sonst im Haare getragen und für die hiesige Jugend charakteristisch wird. Im Ohr hängt ein aus Schildpatt gebogener breiter Reif, »Damala«, (XVII 4) häufig mit eingraviertem Ornament, rotem Anstrich und besonderen, sehr hübschen Anhängseln aus Schnüren feiner dünner Muschelplättchen, einem halbdurchgeschnittenem Fruchtkern und einigen Hundezähnen als Bommel. Ein paar der letzteren dienen auch als seltener Schmuck durch die Nasenscheidewand, für gewöhnlich steckt aber nur ein bleistiftdickes rundes kurzes Stückchen Holz in derselben oder ein aus Tridacna geschliffener Stift, »Gin«, genannt. Am seltensten ist ein sehr kunstvoll aus Perlmutter geschnitzter Nasenschmuck (wie Taf. XX 5). Junge Leute lieben ein glattes Gesicht und reißen daher die hervorsprießenden Barthaare sorgfältig aus wie die Augenbrauen. Sie rasieren auch (mit einem scharfen Bambu oder Muschelstück) das Stirn- wie Nackenhaar ab, damit recht viel rote Farbe, »Bähm«, zur Geltung kommen kann, denn diese ist zum Festschmuck eines Papua-Swell unbedingt erforderlich. Gewöhnlich genügt ein Längsstrich über Stirn und Nase und ein paar Querstreifen über die Backen, zuweilen wird noch ein weißer Ring ums Auge gemalt. Wo man aber recht viel der teuren roten Farbe übrig hat, da wird nicht gespart, und das ganze Gesicht, zuweilen auch der Rücken erhalten den beliebten roten Anstrich. Ja, auch Armbänder, Ohrringe, Pfeil- und Speerspitzen werden noch bemalt, denn Rot ist die Freudenfarbe der Papuas und nur ausnahmsweis Zeichen des Krieges. Der gewöhnlichste Halsschmuck für junge Leute sind Schnüre, mit zierlich aufgereihten, kleinen weißen Kauris (einer Art Nassamuschel), »Darr« genannt, die als Material zu Schmucksachen hier, wie fast überall in Neu-Guinea, eine so hervorragende Bedeutung haben. Aus gleichem Material werden auch Stirnbinden getragen, da solche aus den kostbaren Hundezähnen für junge Leute meist zu teuer sind. Kleine schon bei Bongu erwähnte filetgestrickte Brusttäschchen sind auch hier unzertrennlich mit dem Ausputz eines jeden Mannes und werden in sehr hübscher Weise mit zierlich eingestrickten Querschnitten der Samenkerne von Coix lacrymae angefertigt und mit Troddeln von gleichem Material behangen. Selten kann sich ein junger Mann einen Brustschmuck aus Hundezähnen erlauben, die in der Form eines Triangels (vergl. Abbild. [S. 87]) aufgereiht, an einem Strickchen um den Hals getragen werden. — Ich will gleich hier bemerken, daß wenn von »Hundezähnen« die Rede ist, damit allemal nur die Eckzähne gemeint sind, wovon jeder Hund nur vier besitzt, daß also dieses Material mit Recht als wertvoll gilt, wie dies in ganz Melanesien der Fall ist und bei unseren prähistorischen Vorfahren der Fall war. Sehr reich und geschmackvoll wird der Oberarm geschmückt. Statt der gewöhnlichen Grasbänder werden bei Festen die wertvollen »Ari« getragen (Atlas XVIII, 3). Sie bestehen ebenfalls aus rotgefärbtem feinem Grasgeflecht, sind aber sehr breit (bis 14 cm) und am Rande mit Kauris, sowie flachen Ringen, aus dem Basisteile eines Conus geschliffen, sehr geschmackvoll besetzt. »Suar« heißen die breiten Armbänder aus einem gebogenem Stück Schildpatt, die in der That mit zu den feinsten Kunstarbeiten (Atl. XIX. 2) der Papuas überhaupt zählen. Wie mir ein tüchtiger Fachmann versicherte, erfordert schon das gleichmäßige Rundbiegen eines bis 14 cm langen und 7 bis 8 cm Durchmesser haltenden Stück Schildpatts mittelst Erhitzen eine große Sorgfalt und Geschicklichkeit, die bei uns nicht jeder Arbeiter besitzt. Diese Armbänder sind nun überdies mit sehr verschiedenartig eingravierten Ornamenten in geschmackvoller und schwungvoller Zeichnung verziert, die bei uns Beifall finden würden und denselben weit mehr verdienen, wenn man bedenkt, daß nur Muschelbruchstücke, spitze Steine oder scharfe Eberzähne als Werkzeuge dienten. Aber die »Wilden« schrecken selbst nicht vor härterem Material als Schildpatt zurück, wie die schmalen Armringe, »Bio« genannt, kaum 7 mm breite Basisabschnitte von Trochus niloticus zeigen, deren Außenrand zuweilen schöne Gravierung tragen (XIX. 4). Um die letztere besser hervortreten zu lassen, ist das Vertiefte mit roter Farbe, bei den Schildpattarmbändern mit weißer (Kalk) eingerieben, was trefflich wirkt und gewiß für den guten Geschmack dieser Künstler des Steinalters spricht. Ich glaube kaum, daß unsere Pfahlbauer derartige Kunstsachen anfertigten, wozu ihnen ja auch schon das Material fehlte. — Wie um das Fesselgelenk, so ist zuweilen unterm Knie ein breites Band von rotem Stroh umgeflochten, seltener das Fußgelenk bis zur halben Wade herauf. Letzteren Schmuck sieht man kaum bei jungen Leuten, die dagegen mit Vorliebe einen ca. 10 cm breiten Leibgurt, »Ja sigilon«, aus gleichem Material tragen (ähnlich Atlas XVI. 3 a). Derselbe wird so fest als möglich gleich um den Leib geflochten und schnürt die Taille in unnatürlicher und nach unseren Begriffen in gesundheitsschädlicher Weise ein. Ich schnitt einem kräftigen jungen Manne von ca. 27 Jahren einen solchen Gurt vom Leibe, der nur 65 cm Umfang zeigte. Aber dieses Einschnüren ist auch an der Südostküste Neu-Guineas beliebt und gilt als äußerst »fesch«. Außer diesen Leibgurten werden zuweilen aber selten noch schmale Leibschnüre getragen, unter denen solche aus Delphinzähnen, »Bali«, und die schon bei Bogadschi erwähnten Gogu, die hier »Popok« heißen, am wertvollsten sind. Daß bei einem Feste wie dem soeben gefeierten besonders feine, rotgefärbte, zum Teil hübsch gemusterte Mal in der Weise, wie dies Fig. 1 (Taf. XVI des Atlas) zeigt, angelegt werden, ist selbstverständlich; auch an buntem Blätterschmuck in Armband und Haar fehlt es nicht. Dagegen war Federschmuck (»Kalun«) seltener; am häufigsten weiße Hahnenfedern, sowie Kakaduhaubenfedern oder rote Schwanzfedern vom Weibchen und grüne vom Männchen des Edelpapageis (Eclectus polychlorus). Schmuck aus Kasuarfedern sieht man hier wenig, vermutlich weil der Kasuar (Tuar) selten ist. Die jungen Leute müssen sich meist mit einer Hahnenfeder begnügen, denn nur den Männern scheint reicherer Federschmuck zuzukommen, wie einige besondere Schmuckgegenstände. Darunter steht für alle Krieger ein eigentümlicher Brustschmuck (vergl. Atlas Taf. XXII. 4, 5) oben an, sehr geschmackvoll aus zwei Ovulamuscheln und einem fein geflochtenem blatt- oder herzförmigen, mit Kauris besetzten Anhängsel gefertigt. Er ist gleichsam ein Attribut des waffenfähigen Mannes und verbreitet sich in dieser Form weit über gewisse Teile Neu-Guineas, für welche dieselbe charakteristisch ist. Dieser Brustschmuck wird beim Kampf vom Krieger in den Zähnen gehalten, um den Gegner herauszufordern und schrecklicher zu erscheinen, ein Gebrauch, der sich in allen von mir bereisten Gegenden von Neu-Guineas wiederfindet. Ein weit seltenerer und kostbarer Schmuck ist ein fast zirkelrund gebogener Eberhauer[26] »Sual«, so kostbar, daß ihn eigentlich nur Häuptlinge erschwingen können. Minder reiche Leute begnügen sich mit einer Imitation aus Tridacnamuschel geschliffen oder zwei gewöhnlichen großen Eberzähnen. Wie erwähnt schmücken sich ältere Leute weniger als junge, ganz wie dies bei uns der Fall ist, und wie überall der Mensch mit dem Vorrücken der Jahre immer weniger Gefallen an den Eitelkeiten dieser Welt findet. So bedienen sich ältere Männer kaum mehr roter Bemalung und schwärzen höchstens das Kopfhaar (comme chez nous!).