Was die Fahrzeuge anbetrifft, so erheben sich dieselben weit über die bisher gesehenen und übertreffen selbst die berühmten seetüchtigen Kanus, wie sie früher in den Marshall-Inseln gemacht wurden, mit denen sie aber nichts gemein haben. Zwar besteht auch bei den hiesigen Kanus der Kiel aus einem mächtigen, ausgehöhltem Baumstamme, aber an demselben sind halbrunde Querhölzer als Rippen und an diese klinkerförmige Seitenbretter befestigt (wie dies der Querschnitt Atl. VI, F. 3 zeigt). Dadurch wird das Fahrzeug eben viel weiter und erinnert mehr an ein Schiffsboot nach europäischem Muster als an ein gewöhnliches Kanu (wie z. B. Fig. 1 von Bongu). Die Seitenborde sind an Stern und Bug mit einem senkrechten Brett verbunden, das häufig mit Schnitzwerk verziert ist. Alle Teile des Fahrzeuges sind zusammengebunden und die Verbindungsstellen mit einem Kitte verschmiert; doch muß, wie bei allen Kanus, fleißig geschöpft werden. Sehr eigentümlich und charakteristisch erscheint das Auslegergeschirr. Der Auslegerbalken, fast so lang als das Fahrzeug selbst, ist ungeheuer dick und so groß, daß sich aus ihm allein ein gewöhnliches Baumstamm-Kanu zimmern ließe. Dieser Balancier ist durch 10 Querstangen, mittelst eingeschlagener doppelter Stützen, (vergl. VI. 4) mit dem Kanu verbunden, aber ungewöhnlich nahe, wie wir dies zuerst in Trobriand sahen. Die Entfernung zwischen Kanu und Balancier beträgt nämlich nur einen Meter, und da die Querstangen dicht mit Stäben belegt sind, so wird dadurch an einer Längsseite des Kanus eine Plattform gebildet. Die Spitze des Kiels ragt an beiden Seiten wenig vor und ist je mit dem Querbrett an Bug und Stern durch ein senkrechtes Längsbrett verbunden, das mit, oft durchbrochen gearbeiteter, Schnitzerei verziert ist (Taf. VII, 7). Außerdem sind an den Spitzen Ovulamuscheln, Faserbüschel von Pandanusblatt und dergleichen angebracht, auch die Seitenborde häufig mit Malerei geschmückt (z. B. rot und schwarze Fische T. VII. 8). Diese Kanus führen ein sehr großes, oblonges Segel (VIII. 8) aus Mattengeflecht und laufen sehr schnell vor dem Winde. Sie sind bis 20 Meter lang, also sehr respektable Fahrzeuge, und dienen für Handelsfahrten und Kriegszüge, da sie eine große Anzahl Menschen transportieren können.

Kanu von der Weihnachtsbucht.

Die Bewohner der Weihnachtsbucht besaßen übrigens nur sehr kleine Kanus, wahre Einspänner, denn sie vermögen nur einen Erwachsenen zu tragen, wie dies unsere Abbildung zeigt. Ein solches Kanu ist aber auch nur drei Meter lang, übrigens eine sehr geschickte Arbeit, von welcher ein von mir mitgebrachtes Stück das Berliner Museum ziert.

Die Bekleidung der Männer erregte ebenfalls als neu mein Interesse. Sie bestand, statt aus der sonst üblichen Tapa (Baumrinde), aus einer Matte von Pandanusblatt (Gigi), die um die Lenden geschlagen wird und von weitem ganz wie eine Badehose kleidet. Diese Matten sind zusammengenäht und zuweilen in hübschen Mustern marmoriert, die durch Eindrücke in das noch grüne Blatt hervorgebracht werden und sehr elegant aussehen. Auch diese Bekleidungsmatten (T. XVI. 6) gehören zu den Charakterstücken der genannten ethnologischen Provinz.

Schmuck war, wie gewöhnlich, nur wenig zu sehen, darunter aber Halsketten aus den erwähnten roten Muschelplättchen, die auch als Ohr- und Nasenschmuck, wie sonst vielfach, Verwendung finden. Diese Muschelscheibchen sind flach, rund, durchbohrt, etwa so groß als ein Chemisettknopf und schon des Materials wegen wertvoll. Die Spondylusmuschel, eine Klappmuschel, lebt nämlich nur in tieferem Wasser und ist, da sie mit der unteren Schale obendrein am Gestein festsitzt, nicht so leicht zu erlangen. Es verdient Beachtung, daß an der ganzen Nordostküste Neu-Guineas, wie im Bismarck-Archipel, Spondylusschmuck nicht benutzt wird, dagegen erst wieder in Mikronesien, in den Marshalls und Karolinen, eine hervorragende Rolle spielt. Unter den prähistorischen Resten, welche ich in den Ruinen auf Nanmatal auf Ponapé ausgrub, fand ich eine Menge solcher Muschelschalen. Die gegenwärtigen Bewohner Ponapés pflegten sich mit den Überbleibseln des Kunstfleißes ihrer Vorfahren zu schmücken, da sie die Anfertigung bereits verlernt hatten. Spondylusscheibchen haben an der ganzen Südostküste von Neu-Guinea Wert und bilden überall ein geschätztes Tauschmittel. Noch ein anderes, welches mir ebenfalls von dort bekannt war, fand ich in Weihnachtsbucht, nämlich Armringe aus dem Querschnitt einer großen Kegelschnecke (Conus millepunctatus), die unter die Kostbarkeiten der Papuas zählen. In Port Moresby wird ein solches Armband, Toia genannt, gleich 350 Pfund Sago gerechnet. Zirkelrunde Eberhauer (T. XXI 2), bekanntlich der kostbarste Schmuck, welche früher in den d'Entrecasteaux häufig waren, gab es nicht mehr.

Die äußere Erscheinung der Papuas von Weihnachtsbucht war keine vorteilhafte, zumal Schuppenkrankheit (Ichthyosis) unter ihnen sehr florierte. Im ganzen erschienen sie klein und schwächlich; am meisten die Weiber, unter denen es wenig passable Gesichter gab, desto niedlicher waren aber, wie immer, die Kinder. Die Männer trugen das Haar meist in eine Wolke aufgebauscht; im Nacken aber mit Vorliebe verfilzte Haarzotteln, in langen Strängen bis in den Nacken herabhängend, die an der ganzen Ostspitze beliebt sind (vergl. Abbildung eines Mannes von Teste-Insel Nr. 60), übrigens auch in Astrolabe-Bai vorkommen (vergl. [S. 39]). Neben kräuslichem und lockigem Haar beobachtete ich hier auch durchaus schlichtes und natürlich fuchsrotes, wie wir es in Europa kennen, eine Färbung, welche ich bisher bei Papuas nicht gesehen hatte.

Nachdem die Eingeborenen ihre erste Furcht überwunden und unsere friedlichen Absichten begriffen, wurden sie bald zutraulich und zeigten sich als die liebenswürdigsten Menschen. Bei unseren Ausflügen waren wir stets von einer Anzahl Freiwilliger begleitet, die sich unserer in einer Weise annahmen, wie ich dieselbe bisher nicht kennen gelernt hatte. Unsere Führer suchten jedes Hindernis zu beseitigen, indem sie im Wege stehende Äste wegbogen oder abhackten und uns bei jeder beschwerlichen Stelle zeigten, wo wir den Fuß hinsetzen sollten; in der That eine Aufmerksamkeit, die dem civilisiertesten Menschen Ehre gemacht haben würde. Und da wird noch von Wilden gesprochen und geschrieben!

Obwohl das Ufer überall Korallformation verriet, so bestanden die steilen Berge doch aus Urgestein, und zwar einem quarzreichen Glimmerschiefer, der mehr als anderwärts für das Vorkommen von Gold zu sprechen schien. Aber leider hatten da Katzen gesessen; ich fand nur »Katzengold«! Wie im Ufervorland fehlte es auch in den Bergen nicht an gutgepflegten Plantagen, die mit Vorliebe an den steilsten Abhängen angelegt werden, wie wir dies später überall an der Südostspitze fanden. Neben Landbau wird, wie fast allenthalben, Fischfang betrieben, wie die schönen Netze zeigten. Die hölzernen Schwimmer derselben waren zuweilen mit Schnitzwerk versehen (vergl. Atlas IX, 2), aber noch von früher her, denn jetzt erfüllten gewöhnliche Holzstückchen den Zweck. Von Waffen sah ich nur Speere (Gita) und kurze hölzerne Handkeulen (Atlas T. XI, 4, 5); auch kennt man die Schleuder. Pfeil und Bogen, sowie Schilde sind unbekannt.