Junger Mann von Bentley-Bai.

Außer Kokosnüssen und Papayafrüchten war an Lebensmitteln nichts aufzutreiben. Wir betrachteten wehmütig die schönen Schweine (Poru), von denen sich die Leute nicht trennten. Und doch hatte Moresby hier eine Menge erhandelt, aber die Bevölkerung ist seitdem offenbar geringer und ärmer geworden.

Das weibliche Geschlecht, im ganzen häßlich und unansehnlich, zeichnete sich durch besondere Zuthunlichkeit und Liebenswürdigkeit aus, wie ich sie selten bei Eingeborenen gefunden habe. So beschenkte mich ein kleines, nettes Mädchen mit einer Bekleidungsmatte, so schön, daß sie einem Bräutigam Ehre gemacht haben würde übrigens das einzige Geschenk, welches ich jemals von einer Papuaschönheit erhielt. Ich hatte aber auch ein paar Handvoll Glasperlen weggegeben und die Damen noch besonders erfreut, indem ich meinen Arm entblößte. Die Verwunderung über die Weiße der Haut wollte unter dem sanften und melodischen Ausdruck des Erstaunens »agai-i« gar kein Ende nehmen, das Befühlen und Streicheln gab ihr aber bald einen dunklern Ton.

Haus in Bentley-Bai.

Der hiesige Pfahlbaustil ist am besten aus der Abbildung ersichtlich, und nur hinzuzufügen, daß das Material aus Bambu besteht und die Grasdächer mit toten Palmblättern belegt werden, um ihnen mehr Festigkeit zu geben. Die Diele ist meist aus Planken hergestellt. Auf dem Vorplatz, vor der Thür stehen gewöhnlich Töpfe (Nau), deren Anzahl zugleich den Reichtum bekundet, denn sie sind ein teurer Artikel und kommen weit her, von Teste-Insel. Neben den Häusern erheben sich kleinere Pfahlbauten oder Gerüste als Vorratskammern und die kleinen Siedelungen sind zuweilen mit einer lebendigen Hecke aus Croton und dergleichen eingezäunt. Gewöhnlich liegen auf dem freien Platze um die Häuser, der zuweilen auch mit Rollsteinen belegt ist, große Schieferplatten, auf denen die Eingeborenen gern zu sitzen pflegen. Ich vermute, daß diese Steine Gräber bedecken, sah aber später ein Grab in Form eines kleinen Hauses, ganz wie in Finschhafen ([S. 173]). Wie fast stets waren Crotons bei demselben gepflanzt. Ein hier, wie an der ganzen Ostspitze üblicher Gebrauch ist der, bei den Siedelungen oder am Strande Kokosnüsse an eigens dazu errichteten Pfählen aufzuhängen. Oft sieht man künstliche Bäume ganz voll von Kokosnüssen, die wahrscheinlich zum Anpflanzen dienen. Bentley-Bai ist nur schwach bevölkert und zählt etwa ein Dutzend ziemlich versteckter Siedelungen, von denen die größte, Tagoreüa, nur aus acht Häusern besteht. Aber einzelne Häuser finden sich, wie Plantagen, in den Bergen, die sehr steil und an 2000 Fuß hoch sind und von denen man einen schönen Blick auf Milne-Bai hat, denn die Breite der Halbinsel beträgt hier kaum mehr als drei Meilen. Schiffen ist übrigens Vorsicht anzuraten, da namentlich die östliche Seite der Bai nicht frei von Riffen und Felsen ist. Am westlichen Eingange liegt eine flache mit Mangrove bedeckte Insel (Catharine-Isl.), hinter der sich ein geschütztes Becken (Annie-Inlet) öffnet, das aber wegen Untiefen als Hafen unbrauchbar ist. Für Kanus mag es freilich gut genug sein, wenigstens flüchteten zwei solche, denen wir kurz vor Kap Ducie begegneten, eiligst in die Bucht, während ein drittes, mit zehn Mann Besatzung, längsseit kam. Die Leute verstanden kein Wort englisch und hatten nichts als etliche Stücke Obsidian zu verhandeln, kamen also wohl von Moresby-Straße herüber, wo diese Lava, die zum Rasieren überall beliebt ist, häufig sein soll.

Zwischen Cap Ducie und Excellent-Point erstreckt sich ein zwei und eine halbe Meile langes Vorland, dessen nördlicher Rand von Small-Bai bespült wird. Dieses Vorland ist meist mit Mangrove bestanden, erhebt sich aber nach Westen zu dichtbewaldeten Bergen von 400 bis 500 Fuß Höhe. Als wir diese westliche Ecke, Excellent Point, passiert hatten, sahen wir die ausgedehnte Chads-Bai, von malerischen Bergen umrahmt, vor uns. An ihrem östlichen Ufer machten sich dichte Bestände Kokospalmen bemerkbar, sowie Eingeborene, die uns zu Ehren flaggten, d. h. einen Lappen Zeug an einer langen Stange befestigten und damit winkten. Wir folgten ihrer freundlichen Einladung und gingen kaum zwei Kabel vom Ufer in 13 Faden zu Anker. Was oft nicht wenige Meilen Entfernung thun können! Während es in Bentley-Bai noch so schwer war, mit den Eingeborenen zu verkehren, zeigten sie sich hier viel weniger scheu, ohne Zweifel, weil sie noch keine üblen Erfahrungen mit Werbeschiffen gemacht hatten. Mein Freund Tamate war hier nicht bekannt, aber in aller Munde tönte das Wort »Toom!« Wer mochte wohl dieser Tom sein, der die Gemüter der Eingeborenen so bewegte? Endlich hatte ich es heraus. Nicht Toom, sondern »Koom« (Kokosnuß) meinten die Leute, und ob wir solche haben wollten? Natürlich, ja! — »Ein Schwein wäre mir lieber!« meinte Kapitän Dallmann, schüttelte aber bedenklich mit dem Kopfe, als ich ihm sagte, dasselbe sei bereits bestellt. Aber die Sache war sehr einfach, nachdem ich durch Imitation von Grunzen erst wußte, daß Poru auch hier Schwein heißt, wie Kiram Axt. Ich zeigte grunzend die letztere, und unter verständnisvollem Gegengrunzen paddelten die Leute nach dem Dorfe. Mit dem Wiederkommen dauerte es freilich etwas lange, und ich wollte mich eben selbst aufmachen, um dem Hohn zu entgehen und vielleicht mit einem Schusse nachzuhelfen, denn diese Papuaschweine sind oft sehr obstinat. Da tönte ein durchdringendes Gequieke herüber, daß alle Spötter zum Schweigen brachte, der Koch wetzte sein Messer und sagte: »Kaptain! De Doctor het regt! Sieh'! dor brengt de zwarte Jaantjes dat Swin!« Und so war es. Wie stand ich nun da! He? Selbst der Kapitän gratulierte zu dem Erfolge, der uns nach langer Zeit einmal frisches Fleisch und sein Leibgericht: »suur Swinfleesch en Arwgen« brachte.

Wir gingen an Land, zunächst nach dem Dorfe, wo uns die ganze Bevölkerung, etliche 30 Köpfe, sitzend erwartete, ärmlich aussehende, aber bescheidene, nette Leute, die sich über jede Kleinigkeit unendlich freuten. Das Dorf bestand nur aus fünf Häusern, die ganz mit denen in Bentley-Bai übereinstimmten, wie die Eingeborenen selbst, mit Ausnahme eines einzigen, eines Albino. Er war so hell als ein sonnverbrannter Europäer, mit geröteten Wangen und Lippen, hatte rotbraunes Haar in eine mächtige Wolke aufgezaust, und braune, keineswegs lichtscheue Augen, wie sie sonst meist Albinos eigen sind. In europäische Kleider gesteckt, würde niemand in diesem Manne den Papua erkannt haben; man ersieht hieraus, was ein bißchen Hautfärbung thun kann. Jedenfalls ist es sehr merkwürdig, daß von dunklen Eltern zuweilen ganz helle Kinder abstammen, während umgekehrt wohl kaum ein solcher Fall bekannt sein dürfte. So lernte ich an der Südostküste Neu-Guineas eine Papuafamilie kennen, von der die sehr dunkel gefärbten Eltern zwei dunkle und zwei helle Kinder, so weiß als europäische, besaßen. Die Eingeborenen haben übrigens solchem Naturspiel gegenüber kein Vorurteil, was bei uns im entgegengesetzten Falle ohne Zweifel recht bedenklich hervortreten würde. In Begleitung der Männer machten wir eine Exkursion und schritten auf engen Pfaden längs einem kleinen Flüßchen oder in dem Bette desselben, bis wir auf eine grasige Hochebene gelangten, die savannenartig mit Schraubenbaum bestanden war und sich bis Bentley-Bai hinzuziehen schien. Sie würde sich wegen ihres nicht zu hohen, saftigen Grases trefflich zu Viehweiden eignen, besitzt aber auch guten, schwarzen Boden. Längs einem anderen Flüßchen, an dem schöne Plantagen lagen, kehrten wir gegen Abend wieder an die Küste zurück, wo wir von den freundlichen Leuten Abschied nahmen. Als wir ins Boot steigen wollten, gab es noch eine unerwartete Scene, denn erst mußte noch eine dunkle Dame gewaltsam entfernt werden, die sich unter einer Bank versteckt hatte und absolut mit an Bord wollte. Das war selbst mir in meiner Papuapraxis noch nicht vorgekommen, aber »es hilft nichts, meine Gnädige, Sie müssen raus!« Da stand sie händeringend, um die hartherzigen weißen Männer zu erweichen, von denen keiner nur ein Fünkchen Mitleid fühlte. Ja, wer mochte dieser zartbesaiteten Seele die Ruhe geraubt, es ihr angethan haben? Sicher keiner von uns vier Weißen, denn ein solcher läßt schwarze Damen stets kalt, aber unsere Ruderer, kannibalisch schöne Neu-Britannier, die konnten in ihren roten Flanellhemden wohl Eindruck machen und ein so unschuldiges Herzchen berücken. Aber galant waren diese schwarzen Stutzer auch nicht, denn als ich einen Tommy oder Bob fragte »you like this fellow papine?« (»magst du das Mädchen leiden?«) sagte er verächtlich: »bata! what fore? no all same avakak papine Mioko!« (nein! warum? nicht so schön als Mioko-Mädchen). Ja, ja! diese Schwarzen haben auch so ihren eigenen Geschmack, und dunkle Haut allein thut es nicht.