Eingeborener von Massilia.

Von den Eingeborenen selbst wird die beigegebene Abbildung eines jungen Kriegers die beste Vorstellung geben. Er trägt eines der geschmackvollen Brustschilde aus Platten von Eberhauern mit roten Abrusbohnen und Nassa besetzt (XXIII. 2), um den Arm Ringe aus Querschnitten von Trochusmuschel, durch die Nasenscheidewand zwei längsgespaltene und dünn geschliffene Eberhauer (T. XX. 8), die im Verein mit der schwarzen und weißen Bemalung des Gesichtes, die übrigens als Verschönerung dienen soll, ein gar wildes Aussehen verleihen. Im linken Ohr steckt ein runder Ball aus Cuscusfell, im rechten sind Schnüre aufgereihter Coixkerne befestigt. Ein breiter Gürtel aus Baumrinde, mit welchem der Leib unnatürlich eng eingeschnürt wird, und ein Tapastreif um die Lenden würde den Ausputz eines hiesigen Eingeborenen vollenden. Breite Kopfbinden aus Cuscusfell waren hier auch sehr beliebt, wie eine besondere Art eleganter Leibschnüre von schwarzen Perlen aus Kokosnußschale und Conusringen (T. XXIV. 3). Sonst sah ich nur bereits Bekanntes. So Bogen wie von Tagai ([S. 324]), aber ohne Federschmuck, und Pfeile wie von Guap ([S. 318]). Haar und Bart erfreuten sich keiner besonderen Pflege; doch beobachtete ich noch einzelne verfilzte Haarperücken und bei jungen Leuten eine Haarwulst längs der Scheitelmitte, eine Frisur, die in Neu-Irland sehr häufig ist und an die Raupe des bayerischen Helmes erinnert. Nicht selten waren jene erhabenen Narben, die durch wiederholtes Einschneiden der Haut hervorgebracht werden, eine sehr schmerzhafte Operation, die als Verschönerung weit über Melanesien verbreitet ist. Figur a der Abbildung ([S. 334]) zeigt die blattförmige Ziernarbe eines hiesigen Kriegers und zugleich die Art und Weise, wie der Dolch aus Kasuarknochen in den Armbändern von Trochusreifen getragen wird.

Ziernarben.

Die Leute hatten viel Tabaksblätter in Bündeln, sonst kaum etwas anzubieten. Neu waren mir aber in eigentümlicher Form geräucherte Fische, die ich anfänglich für irgend eine Art Armbänder oder dergleichen hielt. Wie eine Spirale windet sich, an einem Stocke befestigt, Fisch an Fisch, jeder mit der Schwanzspitze die Schnauze berührend, eine Methode, die ihrer Originalität halber, auf einer Ausstellung gewiß ausgezeichnet werden würde. Der Geschmack dieser Fischkonserve konnte indes nur Papua reizen.

Diese Eingeborenen betrugen sich übrigens längst nicht so manierlich als ihre Rassengenossen der vorhergehenden Tage; sie lärmten gar sehr und kriegten oft untereinander Streit. Doch ließ sich ganz gut mit ihnen kramen, und sie waren anfänglich sogar mit rotem Zeuge zufrieden. Als ich aber Eisen, Hobeleisen, zum Vorschein brachte, da wurden sie, wie der Kapitän zu sagen pflegt, förmlich »wild«, das heißt vor Freude. »Massilia!« und »Massilia« ertönte es ohne Ende, ein Name, dessen Bedeutung mir zwar unklar blieb, den ich aber kartographisch mit dieser Stelle verbinde. Sie ist jetzt wenigstens auffindbar, falls jemand Lust haben sollte, hierher zu gehen, um Aufklärungen über Massilia zu geben.

Weiter nach West behält die Küste denselben Charakter, zeigt keine Spuren von Bevölkerung, und das einzige, was wir entdeckten, waren zwei Flüsse, (Ratzel und Neumayer) die vielleicht nur Arme eines und desselben sind, und drei Inseln, nahe der Küste, oder vielmehr Inselchen, so klein, daß ich sie »Däumlinge« nannte. Wenn sich nicht etwa Gold oder »Sowas« auf ihnen findet, wird diese Entdeckung ziemlich wertlos bleiben, aber nichtsdestoweniger eine Entdeckung. Hinter der dichtbewaldeten Uferhügelkette traten jetzt höhere Berge hervor, einförmige Rücken, die im Westen durch einen Berg von eigentümlicher Form, wie ihn die nachstehende Skizze (rechts) zeigt, einen vorläufigen Abschluß fanden. Es ist der circa 3000 Fuß hohe Bougainville von d'Urville und, wie sich später erwies, identisch mit dem Mount Eyries von Belcher. Der Hügel gleich im Vordergrund meiner Skizze ist Kap Concordia, das uns schon längst aufgefallen war und hinter dem wir einen Ankerplatz für die Nacht zu finden hofften. Wirklich zeigte sich hier der Eingang zu einer kleinen hübschen Bucht, welche unserem Wunsch durchaus entsprach. Es war die »anse de l'attaque«, von d'Urville am 11. August 1827 nur gesichtet, aber nicht besucht[82], in der wir bald wohlbehalten ankerten. Sie bildet ein rings von bewaldeten Bergen umschlossenes rundes Becken, mit freier, jederseits durch Riffe geschützter Einfahrt, gutem Ankergrunde (7 bis 15 Faden) und giebt einen prächtigen und sicheren Hafen ab. Längs dem Sandstrande, welcher Angriffshafen säumt, sind dichte Reihen Kokospalmen, aber keine Siedelungen, die, wie wir später bemerkten, westlich von Reiß-Huk in der angrenzenden schmalen Friederichsen-Buchtung liegen.

Kap Concordia und Bougainville.