»Mein Herr hat eine große Liebe zu mir gefaßt, also daß ich nicht mehr als ein Fremdling im Haus bin, sondern schier als ein lieber Freund. Er will auch, daß ich im Land Sachsen bleiben soll und hat mich Einem von Adel recommandiret, der eine Pfarre zu besetzen hat. »Was mein Gott will, gescheh' allzeit!« Die Erd' ist überall des Herrn, und man kann im fremden Land' auch ein frommer und getreuer Knecht sein. Aber auf

Menschenwort und Trost bau' ich nicht viel, seit ich weiß, daß solch' Trauen eitel ist.«


Den 1. Januari. »Wie gedacht, so geschehn! War schon mit einem Bein' im neuen Amt, hat auch meine Dorothe schon getröstet mit einem süßen Hoffnungswörtlein; da ist ein Andrer gekommen und hat erlangt, wonach mein Sinn stand. Ob wohl noch zuviel Eitelkeit und Hoffahrt in meinem Herzen sein mag, weßhalb der liebe Gott mich warten lässet? »Nun, Herr, so zeige mir deinen Weg, daß ich wandle in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte!«


Ein Jahr später. »Ich bin beides, dein Pilgrim und dein Bürger, wie meine Väter alle.« (Psalm 39, 13.) Es muß wieder geschieden sein; will einmal wieder mein Glück daheim versuchen. Vater und Mutter mahnen gar dringend an die Rückkehr. Sie meinen, es sollt' mir jetzt daheim auch gelingen und meine Wartezeit nach Gottes Willen zu Ende gehen. Aber das Scheiden thut auch weh', sonderlich wenn man eins geworden ist, einmüthig und einhellig.«

»Barmherz'ger Gott und Vater,
Du treuer Menschenrather!
Auf dein Wort zieh' ich aus,
Auf unbekannten Straßen
Wollst du mich nicht verlassen,
So bin ich überall zu Haus.

Behüte mich vor Feinden
Und heuchlerischen Freunden,

Gieb mir die Engel zu;
Geleit' all' meine Werke,
Sei Morgens meine Stärke,
Und dann am Abend meine Ruh'.

Auf der Reise. »Also hab' ich gebetet, ehe ich mein Bündel schnürte und den Wanderstab in die Hand nahm. Der treue Gott hat mein Gebet erhört. Wie ich an die hessische Gränze kommen bin, hab' ich Herberg' genommen in einem Flecken, allda zu rasten. Wäre gerne weiter gegangen, als ich kaum den Reisesack abgelegt. Denn in der Herberg' ging's toll her. Kaiserliche Werber lagen da; die hatten gute Geschäfte gemacht, und tranken den Rekruten vollends den Verband weg. Und die Rekruten waren schier wie toll; Einer sang den Prinz Eugenius und schrie dabei wie besessen; ein Anderer soff und heulte dabei, daß einem weh' zu Herzen ward, und ein Dritter raufte sich mit den Dirnen. Die nicht mehr brüllen und saufen konnten, die hatte man wie die Schlachtschweine unter einen Schoppen gelegt, und dabei standen schnurrbärtige Grenadiere und hüteten ihrer. Wie ich mir den Heidengräuel etwas angesehen und des Sprüchleins eingedenk worden: »Besser allein, denn in böser Gemein«, da wollt' ich wieder meines Weges gehen, obgleich der Abend nahe war. Wie ich mich umwenden will, so kommt ein freundlicher Herr auf mich zugegangen, faßt mich bei der Hand und sagt: »Monsieur scheint auch keinen Gefallen zu haben an solch' unfläthigem Saufen. Theile in dem Stück ganz Monsieurs Meinung. Beliebt's demselben, ein wenig hereinzutreten und einen freundlichen Rath zu halten, so wird Monsieur mich sehr verbinden!« »Das Wort gefiel mir sehr, sintemal meine Füße vom langen Gehen wund geworden waren, und ich trat mit dem