O gib den Geist der Stärke,
Den Geist der Zuversicht
Auch mir zu deinem Werke,
So oft er mir gebricht.

Ist auch mein Amt so kleine,
Mein Loos so niedrig hier,
So ist es doch das Deine,
Was du einst suchst bei mir.

Ich soll die Heerde weiden,
Wie du von mir gethan,
An treuer Hand sie leiten,
So gut ich Schwacher kann;

Ich soll zu frischen Bronnen
Geleiten deine Schaar,
Daß sie als lauter Sonnen
Sich einst dir stellen dar.

O Herr, du starker Streiter,
Steh' denn zur Seite mir,
Führ' mich im Kampfe weiter,
Der Sieg, er steht bei dir!«


Die Bestallung des Justus lautete dahin, »daß dem ehrsamen und wohlgelahrten Candidaten Jakob Konrad Justus das Amt eines Schulmeisters, Organisten und Glöckners zum Veitsberg übergeben werde, daß man sich aber zu demselben versehe, er werde seines Amtes getreulich warten.« Dieses Rathes hätte es bei Justus nicht bedurft; denn bei ihm galt: »Alles was ihr thut, das thut dem Herrn und nicht den Menschen.« In jedem Theil seines Amtes war er drum ein treuer Knecht, und wie er der Schule fleißig wartete, so that er den Kirchendienst, der häufig an ihn kam, zur großen Erbauung der Gemeine, und in allen Dörfern der Gegend ward die Uhr gerichtet nach der vom Veitsberg, denn es hieß überall: »Der Kalendermann kennt die Zeit am Besten.«

Ist es heut zu Tage immer noch kein Kleines um einen guten und treuen Schulmeister, weil kein Amt mehr Sorgen und Grämen hat, denn seines, so war das zu des Justus Zeit, vor hundert Jahren, noch viel mehr der Fall. In Sommerszeit war wegen des Weidgangs fast kein Kind zur Schule zu bringen, und wenn im Winter der Schnee die Wege ungangbar gemacht hatte, so blieben die Schüler von den Ortschaften rings umher auch aus, und Dräuen und Strafen half auch nicht viel, weil man den Schlendrian gewohnt war, und Niemand da war, der dem Schulmeister half. Doch wußte sich Justus selber zu helfen, er half sich nach dem Sprüchlein, das er sich selber gemacht:

»Wer Kinder will zur Schule bringen,
Darf mit dem Stock nicht viel umspringen;
Die Furcht macht Schul' und Köpfe leer,
Die Liebe lockt und bauet sehr.«

Und diese Liebe lockte und bauete auch in der Schule zum Veitsberg. Was auch der Schulmeister mit den Kindern tractirte, er brachte allezeit ein freundlich Gesicht dazu mit, und wußte neben dem Worte Gottes, das er fleißig trieb, auch manche andere Wissenschaft den Schülern angenehm zu machen. Lieder, die er selbst gedichtet, oder aus guten Gesangbüchern gewählt, und wozu er selbst die Weisen gemacht, sang er mit den Kindern und spielte die Harfe dazu, also daß Jung und Alt sich daran erbaute; denn, pflegte er zu sagen: