»Wer singen kann ein frommes Lied,
Der hat den Herrn noch im Gemüth.
Und frommes Lied aus frommer Brust
Treibt aus die Sünd', gibt Himmelslust.«

Zur Frühlingszeit, wo die Felder noch leer waren, nahm er die Knaben mit hinaus in's Feld, und zeigte ihnen, wie sie die gelernte Rechenkunst zum Feldmessen brauchen könnten, wie er denn selber zum Gebrauch seiner Schüler eine Anweisung zum Feldmessen, und für schon Geübtere im Jahr 1741 ein Büchlein verfaßte, das den Titel führt: »Geodaesia, oder Feldmeßkunst, nämlich wie aller Felder Größe zu messen und zu rechnen, sammt einem Anhang, wie alle Höhen, Weiten und Tiefen zu finden seien, auch mit einer Zugabe, wie das Verhältniß der Planeten gegen unsere Erdkugel gefunden werden könne;« Alles durch die reinsten Zeichnungen erläutert, und durch Exempel aller Art erklärt.

Eigenthümlich bleibt freilich die Lehrweise, die in seiner

Schule herrschte; sie trägt ganz das Gepräge seiner Zeit, einer Zeit, wo man meinte, dem Gedächtniß der Kinder dadurch zu Hülfe kommen zu können, wenn man die Lehrgegenstände in Verse kleide. So haben wir von Justus noch ein »Rechenbuch, darinnen die ganze allgemeine Rechnungsart mit allen ihren Regeln deutlich vorgetragen, und mit Exempeln erklärt ist, vom Jahr 1739.« In diesem Rechenbuche, das wie alle Schriften des Kalendermanns äußerst sorgfältig und sauber gearbeitet und mit schönen Handzeichnungen verziert ist, wird außer einer Menge gewöhnlicher Exempel immer eins in Versen gegeben und ein Bildchen dazu. Davon ein Beispiel aus der Regel de Tri mit Brüchen:

»Es thut ein Schiffmann fahren fort
Mit seinem Schiff an andre Ort'
Bei gutem Winde sag' ich rund
Gar recht in einer Viertelstund'
Fünfsechstheil Meil', wie mir bericht,
Der Schiffer, der da lüget nicht.
Nun möcht' ich wissen, wie viel dann
Der Schiffmann Meilen fahren kann,
Wenn er dreiviertel Stunden führ',
Und guter Wind das Schiff berühr'.«

Noch ein Anderes machte den Justus zu einem besonders guten Schulmeister und gewann ihm die Herzen der Jugend, das war seine große Liebe für die Natur. Nie ist er inniger und beredter, als wenn es gilt, von der Macht Gottes in seinen Werken zu reden, oder die Liebe Gottes in den tausendfachen Wundern der Schöpfung zu preisen. Wie man den lieben Gott und die Weisheit seiner Wege in allen seinen Geschöpfen finden könne, das zeigte er beständig seinen Schülern. Und wie man ihn zur Sommerszeit niemals ohne eine Blume in der Hand sah, so

trieb sein frommes Herz manche schöne Blüthe der Dichtkunst und der Begeisterung für die Werke Gottes. Laß' es dich nicht verdrießen, lieber Leser, wenn ich dir jetzt und auch noch später des Justus eigne Gedanken mittheile. So mögen denn hier zwei Lieder von ihm stehen.

Das Vöglein auf dem grünen Ast.

Sing-Vöglein auf dem grünen Ast,
Wie herzig ist dein Sang!
Gönnst dir nicht Ruh', gönnst dir nicht Rast,
O sag', wem gilt dein Klang?

Kommt aus der Nacht hervor der Tag,
Ist schon dein Tisch bestellt,
Und deiner Kehle lauter Schlag
Singt Dank dem Herrn der Welt.