[1] »Anaxagoras, ein berühmter Philosophus, ward gefragt, warum er in die Welt geboren wäre? Und er gab zur Antwort: »Darum, daß ich den Himmel, die Sonne, den Mond und andere Wundermale betrachten möchte.« Darüber ward er von dem Lactantius mit Lachen sehr verhöhnet; gereicht aber diese Verspottung nicht dem Anaxagoras, sondern dem Lactantius zur Schande. Denn da Sonne, Mond und Sterne, ja das ganze Weltgebäude ein großes Wundergebäude ist, so muß der Baumeister, der solches gemacht, gewiß noch viel herrlicher, wunderbarer und größer sein. Sirach wußte sich dieß besser als Lactantius zu Nutz zu machen; er sagt: »»Wer kann sich seiner Herrlichkeit satt sehen?«« (Sirach 43,1.) Anaxagoras, ob er schon ein Heide war, beschämt hierdurch viele Christen, die Gott aus seiner Welt kennen wollen, und mögen doch sein Wundergebäu des schönen Himmels nicht anschauen.«


»Wer das Werk eines Künstlers nicht achtet, der achtet auch nicht den Künstler, der es gemacht hat. Heutiges

Tages fragt man nicht viel nach dem Sternenhimmel und der obern Welt, sondern man fragt vielmehr nach Geld und guten Bißlein in der unteren Welt. Daher werden auch die, welche die Himmelskörper betrachten, immerfort von den Weltgesinnten verspottet, wie Anaxagoras. Solche Spötter leben in der Zeit und wissen nicht, was die Zeit ist; weil sie an der Erde kleben, und nach dem Himmel kein Verlangen haben, so neiden sie die, welche den Himmel betrachten. Sie sitzen in der Tiefe und haben sich in das Untere verliebt; da werden sie auch endlich immer bleiben, und nicht zum Glanz der Sterne gelangen. Es ist eine besondere Sache, sich in das so sehr verlieben, und an dem so hart hangen, dabei man doch nicht bleiben kann. Edle Geister lieben den Himmel und nicht die Erde. Zwar dieweil man in der Welt ist, muß man sich derselben annehmen und sorgen, aber doch nicht ganz an derselben kleben bleiben, sondern es muß sein wie Paulus sagt: »»Die sich freuen als freuten sie sich nicht, und die dieser Welt brauchen, daß sie derselben nicht mißbrauchen. Warum denn? Darum, das Wesen dieser Welt vergeht.«« (1 Corinther 7, 30 u. 31.)

»Solche Weltmenschen sagen wohl zum Schein: Die Berufsarbeit wird durch die Sternguckerei versäumt. Aber hier frage ich: ob dem Menschen bei seiner Berufsarbeit nicht eine Stunde erlaubt sei? Wenn nun ein Liebhaber der edlen Astronomie in solcher Ruhestunde die Himmelskörper als Geschöpfe des großen und wunderbaren Baumeisters in stiller Ehrfurcht desselben betrachtet, und ihre Bewegung berechnet; ein Weltmensch aber gehet zum Schmausen, sitzet im Rath der Gottlosen, wo die Spötter sitzen (Psalm 1), beneficiret seinen Leib und haschet einstweilen dem Nächsten seine Unterhaltungsgüter; so frage

ich, welcher unter diesen Beiden hat seine Nebenstunden am besten angewendet? Mein lieber Leser, ich überlasse dir hierüber das Urtheil.«


»Der Stern- und Himmelsbetrachter ist vergnügt bei und mit dem, was ihm Gott gegeben, und sagt mit Paulo: »Wir wissen aber, so unser irdisch Haus dieser Hütten zerbrochen wird, daß wir einen Bau haben von Gott erbaut, ein Haus nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel.« (2 Corinther 5, 1.) Und mit David: Ich werde sehen die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast.« (Psalm 8, 4.)


»Das ist die Freude und das Vergnügen eines christlichen Stern- und Himmelsbetrachters, daß er, wenn er die irdische Hütte ablegt, in solchem Glanz wie die Sterne und Sonne vor seinem Schöpfer prangt, davon auch Daniel also sagt: Die Lehrer werden leuchten wie des Himmels Glanz.« (Daniel 12, 3.)