»Die Herrn Astronomi, die solche Kometen für beständige Weltkörper ausgeben, thun nach meiner Meinung ein großes Unrecht, indem sie die ohnehin sichere Welt
nur noch sicherer machen. Denn der allmächtige Schöpfer zeigt an den Kometen nicht nur seine hohe Weisheit, sondern auch seine große Gerechtigkeit in deren Gestalt und Figur, denn die Kometen gleichsam die Hand des erzürnten Gottes mit einer darin haltenden Ruthe darstellen, dadurch uns Menschen anzudeuten, sein heiliges und gerechtes Vorhaben, daß er mit der gezückten Ruthe auf uns schlagen will, darum, weil wir ihn, den lebendigen Gott, verlassen. Auch berichten uns die Historiker, daß allezeit auf einen Kometen etwas Sonderliches in der Welt geschehen ist, Krieg, Mißwachs, theure Zeit, Erdbeben, wie ich auch das eines Weiteren auseinandersetzen könnte. Und hat darum unser treufleißiger und für die Ehre Gottes eifriger Herr Pfarrer sehr weislich gethan, daß er am letzten Sonntag dem Volk die Bosheit und Gottlosigkeit scharf und nachdrücklich unter die Augen gestellt, indem er gleichsam mit Fingern die am Himmel gezückte Ruthe des erzürnten Gottes gezeigt hat. Und solche Predigt ist auch für uns gehalten worden, daß wir uns reizen lassen zur Buße und guten Werken.«
»Bin bis dahin in Allem eurer Meinung, Herr Justus«, sprach bescheiden der Elias Büttner, »und habe des Herrn Pfarrers Predigt mit sonderlicher Erbauung gehört, wünsche auch aus Herzensgrund, es möge an der Predigt in Erfüllung gehen, was dort Jesaias sagt: »Gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt, und nicht wieder dahin kommt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar, — also soll das Wort, das aus meinem Munde gehet, auch sein. Es soll nicht wieder zu mir leer kommen, sondern thun, was mir gefällt, und soll ihm gelingen, dazu ich es sende.« So schön dieß liebe Gotteswort nun ist, so wahr ist doch auch ein anderes,
das im Jeremias, im zehenten Kapitel, im anderen Vers zu lesen ist, und heißt: »Und sollt euch nicht fürchten vor den Zeichen des Himmels, wie die Heiden sich fürchten.« Nach diesem Sprüchlein will mir denn ein Zweifel kommen, ob's auch recht gethan sei, einen solchen Stern mit der Inbrunst zu beschauen, wie wir thun, und ihn gerade Weges einen Boten Gottes zu nennen.«
»An den Spruch, lieber Nachbar Büttner, habe ich auch schon gedacht«, antwortete der Schulmeister, aber ich habe mir ihn von allen Seiten wohl erwogen, und da heißt er mir nur soviel, als: »Ihr sollt euch nicht fürchten vor den Zeichen des Himmels, wie die Heiden sich fürchten.« Die wußten aber nichts vom wahren, lebendigen Gott und stellten ihr Vertrauen auf selbstgemachte Götter, waren auch so ersoffen in Aberglauben, daß sie, wenn ein ungewöhnlich Zeichen am Himmel erschien, sie sich vor dem Zeichen selbsten fürchteten, als wenn das die Macht hätte. Wir Christen aber glauben an den Allmächtigen, der die Zeichen am Himmel erschaffet; so fürchten wir denn nicht die Zeichen, sondern den Schöpfer, und betrachten sie als Vorausläufer, uns zu erinnern, daß er bereit sei, uns zu strafen, wenn wir nicht diesen großen König Himmels und der Erde kindlich fürchten, und mit Geschenken ihm entgegen gehen, ich meine, mit wahrer Reu' und Buße.«
»So, ihr Nachbarn, will ich's mit dem Kometen da über uns halten, und will acht haben auf die Zeichen der Zeit und auf mein Herz, und auf das Wort dessen, der sagt: »Ich bin gekommen, die Sünder zur Buße zu rufen.« Und zum Gedächtniß an diesen Abend und an so manch' selig Stündlein, das mir der Komet des Jahres 1744 gebracht hat, will ich mir ein Bild machen vom
Kometen, wie er heute steht, und wie er mit dem Mond zur Seite sein Licht herabwirft auf meinen Veitsberg und auf mein Kirchlein hier unten, und darunter will ich schreiben:
Was zeigt der Vorbot' an, der sich dort präsentiret?
Ja nichts, als Gott ist auf, zu strafen unsre Sünd';
Ach, wenn derselbe uns die Herzen doch so rühret,
Daß wenn der Richter kommt, er Reu' und Buße find't.«
Fußnoten:
[3] Will dir Manches, was hier über den Kometen des Jahres 1744 gesagt worden ist, sonderbar vorkommen, mein lieber Leser, und du wohl gar glauben, ich wolle dir die Meinung des guten Justus für etwas Gewisses ausgeben, so würdest du irren. Ich ließ den Kalendermann seine Ansicht von den Kometen vor seinen Hausfreunden entwickeln, weil ich eine treue Schilderung von ihm und seiner Zeit geben wollte. Und ist unser Justus nicht selbst in dem, was du vielleicht Aberglauben nennen möchtest, ein frommer Mann? Wer kann es ihm verargen, daß er nicht weiter war, als seine Zeit? — Jetzt weiß man recht wohl, daß die Kometen keine Dunstmassen, sondern Weltkörper sind, wie die übrigen Sterne; aber ihre innere Beschaffenheit und die Ursache ihres Schweifes weiß man auch heute noch nicht genau. Auch das weiß man, daß die Kometen sich um die Sonne bewegen, aber nicht in kreisrunden, sondern in länglich-runden Bahnen, daß sie darum der Sonne manchmal sehr nahe kommen, und sich dann in unendlichen Weiten wieder von ihr entfernen. Ja sogar die Umlaufzeit einzelner Kometen hat man berechnet, aber von den meisten weiß man sie nicht. — Wer aber will es Aberglauben nennen, wenn bei der Erscheinung eines Kometen der Christ gläubig hinauf zum Vater des Lichts, und prüfend hinein in sein Herz blickt? Etwas anderes will auch die Schrift nicht, wenn sie David sprechen läßt: »Wenn ich sehe den Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast; was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst?« — Möge nur recht bald Einer auftreten, der unserm deutschen Volk den Sternenhimmel bekannt mache, und in weiteren Kreisen für Gottes Erkenntniß in seinen Wundern des Himmels eben so treu wirke, wie Justus einst in seinem engen Kreise wirkte. Aber zweierlei muß er dazu mitbringen: das rechte Herz und das rechte Wort. Wer die Wunder in der Höhe verstehen und dolmetschen will, der muß erst die Wunder in der Tiefe des Menschenherzens verstanden haben.