Uebrigens hat Justus seine ganze Ansicht von den Kometen in einem eignen Schriftchen niedergelegt, dem ich hier gefolgt bin, und das den Titel führt:
»Einfältige Gedanken von den Kometen, veranlaßt wegen des neulich erschienenen Kometen. Mit angehängtem Bericht, wann und in welcher Gegend des Himmels, und in was für einem Gestirn derselbe auf dem Veitsberg gesehen worden, nach welcher Himmelsgegend er sich bewegt, wann und wo er sich am Himmel wieder verloren. Auch zur Anzeige seines Laufs eine Figur verfertigt und beigefüget von
EJnem, von welchem der Comet auch gesehen Jst worden.«
11. Der verlorene Sohn.
Es war einige Wochen nach diesem Abendgespräch, und der März war gekommen, und hatte den Schnee geschmolzen und die Erde bereitet für den nahenden Frühling. Und seine Vorboten, die wir immer so freudig begrüßen, kamen auch auf den Veitsberg. Auf dem Storchnest zu Saasen war unter dem Jubel der Kinder der Sommergast eingezogen; unter den Hecken am Berge blühten die ersten Blumen, und der Buchfink schlug auf den Kirschbäumen so laut und anhaltend, als daure ihm der Aufbruch der Knospen zu lange, als wolle er sie wachsingen.
Wie der Tag sonnenhell gewesen war, von einem frischen Lüftchen, das mit dem Märzstaub spielte, gekühlt, so war auch der Abend, von dem wir reden, ein sternheller, stiller Märzabend. Das Abendbrod im Hause des Schulmeisters vom Veitsberg war schon seit länger als eine Stunde verzehrt, und er selber saß an seinem Tische im Lehnstuhl, und schrieb seine Beobachtungen über den Kometen auf, und berechnete, den Blick manchmal auf eine große Sternkarte gerichtet, die er selber entworfen hatte, den Lauf des Kometen. Dorothe machte sich der
weil mit ihrer Jüngstgeborenen zu schaffen, wusch und stillte sie, und legte sie dann unter stillem Gebet in die Wiege. Dann zog sie den Vorhang vom großen Bette weg, in dessen Mitte ihr Heinrich schlief, und labte sich an dem blühenden, vollen Gesicht des Knaben und an dem gesunden Schlaf, und den Mund des Kindes küssend, sprach sie leise: »Herr, erhalte sein Herz bei dem Einigen, daß er deinen Namen fürchte!«
Da fing es an in der Guckucksuhr an der Wand lebendig zu werden, die jetzt wieder auf die Minute ging, seit sie der Schreinerkaspar in Händen gehabt hatte, und das Thürchen thät sich auf, daraus mit dem Schlage der Stunde der Vogel zu kommen pflegte; und das war ein Zeichen, daß es noch fünf Minuten vor dem Schlag seien. Auf dieß Zeichen erhob sich der Schulmeister von seinem Sitze, setzte die Hausmütze auf den Kopf, und sagte: »Dorothe, ich will das Spinnglöcklein ziehen, es wird nicht weit von acht Uhr sein. Die Leuchte nehme ich heute Abend nicht mit, denn es ist sternhell, und sollt ich nicht hurtig wieder da sein, so mache dir keine Gedanken darüber, ich möchte den Kometen einmal wieder aufsuchen; der scheint sich seit voriger Woche rar machen zu wollen.«
Damit ging der Schulmeister zur Thüre hinaus und trat auf den Kirchhof. Der Himmel war sternhell, aber der Komet war nicht da. An der Stelle des Himmels aber, wo ihn des Justus Auge suchte, war eine andere wundervolle Himmelserscheinung. Vier schmale Lichtstreifen, nicht so breit als der Schweif des Kometen, aber viel feiner und länger, breiteten sich in Kreuzesform über einen großen Theil des Nachthimmels aus. Daß sie vom Kometen herrührten, dessen Kern man nicht mehr sah, war kein Zweifel; und der Schulmeister stand wie angewurzelt,