Dazu hatte der Gerst wieder Unkraut genug ausgestreut, und ließ nicht ab, den Justus und sein ganzes Haus zu verdächtigen. Auch waren die alten Hausfreunde fast sämmtlich gestorben, oder in die Ferne gezogen, und ihre Stelle war nicht wieder ersetzt worden. Denn so Viele ihrer aus- und eingingen auf dem Veitsberg, sie hatten wohl schöne Worte auf der Zunge, aber keine rechte Liebe im Herzen. Der alte Zacharias Storch von Bolenbach, der Simon Kleinfelder, der gute treue Jäger, die Freunde, die immer Rath und Trost gehabt hatten, sie waren in die Ewigkeit eingegangen. Und ihnen war auch die alte Lindin gefolgt. Ihr starkes, großes Christenherz war im Tode gebrochen, nach dem sie sich schon lange gesehnt hatte. »Ich habe Lust abzuscheiden, und bei Christo zu sein«, das war ihr letztes Wort. Auch der Corporal Scheuermann war nicht mehr in Gießen, sondern hatte anderwärts seinen Dienst. Der Benjamin Laupus aber war in ein fremdes Land gereis't, weil ihm in der Heimath sein früheres Leben nicht verziehen ward.

Warum der liebe Gott wohl so viele Freundesgräber

um uns aufhäuft, ehe er das unsere uns bereiten läßt? Ich glaube, daß uns von diesen Hügeln herab die Lust und Herrlichkeit dieser Welt immer kleiner, dagegen desto näher der Sonnenaufgang aus der Heimath erscheine, von dannen der Lenz kommt in's Land der Gräber, und mir ihm das Trostsprüchlein: »Ich will euch wieder sehen und euer Herz soll sich freuen und diese Freude soll Niemand von euch nehmen.«

Aus der Zeit stammt wohl das Lied, das wir noch vom Kalendermann haben, wenigstens drückt es ganz die Stimmung aus, in der er sich damals befand.

»Eins bitt' ich von dem lieben Gott,
Das bleibt mein täglich Beten,
Dass er mir geb' in Freund' und Noth
Ein Herz, vor ihn zu treten.

Ich nehm' es Alles dankbar hin,
Was mein Gott mir will geben,
Ich preis' ihn mit vergnügtem Sinn
Für Hab' und Gut und Leben.

Doch nehm' er's hin, wenn's ihm gefällt,
Ich will es freudig missen,
Ich weiß ja, daß in dieser Welt
Wir Alles lassen müssen.

Doch jenes Herz, das treu dich liebt,
Das deines Sohns sich freuet,
Das sich im Glauben dir ergibt,
Sich täglich neu dir weihet;

Dieß Herz, o Vater, wollest du
Mir jetzt aus Gnaden schenken,
Dann hab' ich Frieden, hab' ich Ruh'
Will Andres nicht bedenken.

Ein solches Herz wird nimmer ganz
Aus deiner Gnade weichen,
Selbst aus der Sünd' mit hellem Glanz
Wird neu heraus es steigen.