Karla stellte die Tassen auf: weiße mit Goldrand, die Zuckerdose aus Glas, das Sahnenkännchen. Dabei summte sie ein paar Takte aus einer Oper. Plötzlich lief sie zum Klavier, warf die Auszüge durcheinander, klappte den einen auf, griff ein paar Akkorde, legte los mit voller Stimme. Sie hudelte ein bißchen vor lauter Freude über ihre frische, volltönende Stimme, die ihr davonlief wie ein sprudelnder Quell ....
Altmann kam heraus. Er trug eine Hausjacke aus großkariertem Flanell, ein ausrangiertes Bühnenrequisit. Ohne Kragen, ohne Manschetten. Sein Hals war merkwürdig lang und hager. Das beeinträchtigte die Vornehmheit seiner Erscheinung ein wenig. Auch litt er in den ersten Morgenstunden an einer leisen nervösen Reizbarkeit.
„Du sollst doch nicht so drauflosbrüllen, Karla. Was hat das für einen Zweck! Überdies hast du vergessen, die Butter auf den Tisch zu stellen ... und ich sehe auch nur einen Löffel — —“
Karla brach mitten drin ab, lief heraus, lief herein, schwuppte den Kaffee aus der übervollen Kanne auf das Tischtuch, tupfte es mit dem Taschentuch ab, schenkte ein — „wieder viel zu voll“, bemerkte Altmann —, strich die Brötchen ... und merkte es nicht, daß ihr Mann einsilbig, unzufrieden auf dem Sofa saß, mit betonter Sorgfalt seinen Kaffee umrührte und mit spitzen Fingern das Brötchen hielt.
Nichts sah sie. Griff immer wieder in den gefüllten Nickelbrotkorb, schenkte sich immer wieder aus der bauchigen Kanne die Tasse voll — warf Zucker hinein, ein Stück, zwei Stück und — nach einem heimlichen kurzen Seitenblick auf Altmann — das dritte.
Wundervoll war es, verheiratet zu sein! Sich satt essen, satt trinken zu können! Es verdroß sie nur, daß die Frühstücksstunde so kurz war.
„An die Arbeit“, sagte Altmann.
Er spielte erträglich, wenn auch sehr hart, Klavier. Aber sie traute sich nicht zu sagen, er möchte leiser begleiten. Es war ja auch gleichgültig, wie es klang. Er unterbrach ja doch bei jedem zweiten Takt.
Manchmal machte er ihr nach, wie sie dies oder jenes aussprach. Er übertrieb entsetzlich. So sprach sie doch im Leben nicht! Es sah so häßlich aus und klang so abscheulich. Erst lachte sie.
Da klappte er den Auszug zusammen.