Zu einer Kollegin, die sie anzog, sagte sie:
„Ich hab’ doch nie Angst, wenn ich singe, ich kenne das nicht ... aber ob ich das Ja herausbringe in der Kirche — darüber schlafe ich nun schon die dritte Nacht nicht. Die Kehle schnürt’s mir zu, wenn ich daran denke.“
Sie brachte es heraus. Sogar lauter, als es sonst üblich sein mochte. Und dann warf sie den Kopf zurück und blickte mit glänzenden Augen auf den Geistlichen. So — das war getan. Nun fürchtete sie sich nicht mehr. Vor nichts. Vor gar nichts auf der Welt. Und nun spürte sie auch ihren gesunden Hunger und freute sich auf das gute Essen, das sie in der „Krone“ erwartete.
Es war eine lustige Hochzeitstafel. Der Direktor, den man anstandshalber eingeladen hatte, war durch eine Reise verhindert, zu kommen. So war es auch allen lieber. Altmann knauserte nicht mit dem Wein, hielt aber selbst Maß und erfreute Karla durch ein paar nette Worte auf ihren Vater, der eine Depesche geschickt hatte; ebenso wie die zwei Schwestern Altmanns. Die eine war unverheiratet, Erzieherin in einem großen Hause, die andere Frau eines Lehrers. Sie hatten beide nicht abkommen können. Altmann war es ganz recht. Sie hätten sich ja doch recht fremd gefühlt in dem Kreise.
Der alte Tänzer aber war durch einen Anfall von Ischias an seinen Lehnstuhl gefesselt. Er schickte eine hübsche Amethystkette als Hochzeitsgeschenk und bat um den Besuch des jungen Paares, sobald es sich machen ließe.
Altmann war sparsam. Es gab in diesem Jahre an anderes zu denken als an Reisen. Es hieß Geld zurücklegen für eine anständige Garderobe. Karla war mit einem Korbe zu ihm gezogen, der mehr Klavierauszüge als Wäschestücke und Kleider enthielt.
Ein „Schwarzseidenes“ mußte sie gleich haben. Das gehörte zur Würde und Stellung einer jungen Frau. So wußte es Altmann von zu Hause, von der Heirat seiner ältesten Schwester her.
Karla küßte ihm die Hand wie ein beschenkter Backfisch.
Altmann hatte seine möblierten Zimmer behalten und noch ein drittes — mehr eine Kammer — dazugenommen. Die Wirtin gab ihnen Frühstück und Essen. Karla schlüpfte des Morgens, zehn Minuten vor ihrem Mann, in die Wohnstube und deckte den Tisch.
Altmann hatte sie darum gebeten. Sie sollte kleine Hausfrauenpflichten erfüllen, sollte nicht verlottern in der Trägheit allzu ausgedehnter Bettruhe.