Sie sagte Altmann nichts von der Unterredung. Ihre Mutter hatte früher oft geäußert: „Männer brauchen nicht alles zu wissen.“ Und seit Altmann mit ihr verlobt war, reihte er eben in die Kategorie jener ein, die „nicht alles zu wissen brauchen“. Wäre es auch nur, um Weitläufigkeiten, Auseinandersetzungen zu entgehen.

Straffe Folgerungen, knappe, zwingende Begründungen lagen ihr nicht. Sie ärgerte sich über den „Alten“ und lachte ihn hinterher aus. Er war wohl eifersüchtig. Jetzt gab es jemand, der ihm auf die nichtsnutzigen Finger klopfen konnte, wenn sie sich gar zu lange mit ihrem Arm zu schaffen machten.

Diese Vorstellung machte ihr sogar Vergnügen.

„Was wollte der Alte von dir?“ fragte Altmann.

Sie machte ganz harmlose Augen.

„Ach nichts, er hat mal wieder Repertoireänderungen vornehmen wollen ...“

„So .. Na, das viermal wöchentlich Singen werden wir mal ein bißchen einschränken! Da hab’ ich jetzt auch noch ein Wort mitzureden!“ ...

Sie blickte dankbar und bewundernd zu ihm auf. So „himmlisch geborgen“ fühlte sie sich.

Sie heirateten sehr bald. Karla König lieh sich zur Trauung ein weißseidenes Kostüm von zeitloser Form aus dem Garderobenfundus des Theaters. Die Kolleginnen legten zusammen und stifteten Brautkranz und Schleier.

Altmann hatte in der „Krone“ ein Zimmer bestellt und ein Mittagessen von acht Gedecken. Karla fand das fürstlich. Überhaupt machte ihr die Hochzeit, mit allem, was damit an Besprechungen und Veränderungen zusammenhing, großen Eindruck. Sie kam sich ungeheuer wichtig vor. Als sie das erstemal die Elsa im „Lohengrin“ sang, war sie nicht so erregt wie in der Stunde, da sie das weißseidene Kleid und den Myrtenkranz anprobierte. Ganz feucht waren ihr die Hände, ihre Knie zitterten, und eine leichte Übelkeit bleichte ihr die Lippen.