Ihre Wangen glühten. Sie hörte zu essen auf, und sie dachte daran, wie sie dieses Engagement bekommen. Auf einer „Schmiere“ hatte der Direktor sie gesehen, im „Troubadour“. Ihretwegen hatte er bis zum Ende der Vorstellung ausgehalten, hatte ihr dann gleich einen Kontrakt vorgelegt, auf fünf Jahre. Nun war sie schon vier Jahre in der norddeutschen Hafenstadt; die glanzvollen Besprechungen hatten manchen Agenten auf sie aufmerksam gemacht, ihr manches Angebot eingetragen. Aber der Direktor ließ sie nicht gehen. Zum Kontraktbruch fehlte ihr der Mut. Und schließlich war sie auch ganz zufrieden. Die Galerie brüllte sie unzählige Male heraus, junge Mädchen warfen ihr Blumen zu. Wenn sie auftrat, waren alle guten Logen besetzt, und zu Weihnachten schickten ihr die ersten Familien Geschenke: Wäsche, Wurst, wollene Strümpfe; manchmal auch einen goldenen Armreif oder eine kleine Brosche. Eingeladen hatte sie freilich noch niemand. Es war hier nicht Sitte, mit den Theaterleuten zu verkehren. Sie hätte ja auch nicht viel Zeit gehabt. So war Altmann eigentlich der einzige, der sich persönlich ihrer annahm, der sich um sie sorgte.

Aber das konnte sie dem Direktor nicht alles so in Kürze erzählen. Sie fand nur einen Satz:

„Er war doch immer gut zu mir, der Altmann ...“

Im Grunde — und das brachte den erfahrenen alten Direktor in Harnisch — bildete sie sich sogar was darauf ein, daß er sie für würdig erachtete, seine Frau zu werden.

„Ich werde auch gewiß einen großen Weg machen, dafür wird er schon sorgen, der Altmann ...“

„Na ja ... dann ist’s ja gut.“

Der alte Herr kehrte ihr den Rücken. Schade ... schade um seine Mühe, das Interesse ... das teure Essen aus dem Gasthaus....

Nun kam ein anderer und pflückte die Früchte!

„Sie können gehen, Fräulein König.... Aber vergessen Sie nicht, daß Sie noch ein Jahr hier sind und bei mir singen. Und wenn ihr glaubt, daß ich euch vorher freigebe — dann habt ihr euch geirrt. Das heißt ... Altmann — auf den pfeif’ ich. Von der Sorte kriege ich dreizehn aufs Dutzend. Wirst dich noch wundern, Kleine, wie du schleppen wirst an ihm ... jawohl schleppen!“

Er brüllte sie wütend an und verließ als erster das Zimmer.