„Na, dann wollen wir warten, bis du ein bißchen ernster bist. Zur Unterhaltung setze ich mich doch nicht hierher.“

Karla dachte an den Unterricht beim Vater. Der war lustiger gewesen. Da hatte sie sich ausleben können. Sie dachte auch an den Unterricht bei dem alten Sänger. Der hatte nur immer gestrahlt und gerufen: „Mädel, Mädel, wo hast du das her?!“ Blieb die Mutter. Die Ohrfeigen — na ja! ... Aber wenn Altmann die Noten zuklappte und sich erhob, eisig, unnahbar wie ein beleidigter Gott — das war schlimmer!

Das Verheiratetsein hatte auch Schattenseiten! ...

Karla ging gern am Arme ihres Mannes durch die Hauptstraße, die zum Theater führte. Die beiden Zeitungen hatten eine Notiz gebracht über die Vermählung von „Fräulein Karla König, der Zierde unseres Stadttheaters, dem Liebling des Publikums“, mit dem „verdienstvollen Herrn Ernst Altmann“.

So war die Stadt gleichsam mit zur Hochzeit gebeten worden, und die Leute quittierten auf der Straße durch ein stummes Lächeln, ein Grüßen mit den Augen. Viele blickten sich nach ihnen um, und Karla raschelte stolz mit ihrem Schwarzseidenen.

Im Theater benahm sie sich mit einer gewissen Zurückhaltung. Denn Altmann hatte ihr eingeschärft, nicht hinter den Kulissen zu dalbern während der Proben, wie sie es sonst wohl getan.

„Du mußt Haltung lernen“, sagte er ihr. „In dem Nest hier bist du die längste Zeit gewesen.“

Er unterhielt eine eifrige Korrespondenz; mehrfach kamen auch Briefe mit dem Poststempel aus New York.

Aber er sprach nicht über die Briefe, sondern verschloß sie sorgfältig im Schreibtisch, dessen Schlüssel er stets abzog.

Wenn sie an ihren Vater, den Papa, schreiben wollte, mußte sie ihren Mann erst um einen Bogen Briefpapier und einen Umschlag bitten.