Übrigens schrieb sie höchst ungern, und selbst die kleinen Dankbriefe für die Geschenke waren ihr immer eine Qual gewesen, und bald überließ sie auch den Schriftwechsel mit ihrem Vater dankbar ihrem Mann.

Das einzige, was ihr an Altmann mißfiel, war seine Einsilbigkeit. Sie wollte ja gerne zugeben, daß er „viel im Kopf“ hatte, wie er sagte, daß seine Korrespondenz, die Pläne für die nächste Zukunft ihn sehr beschäftigten, aber immerhin hätte er doch wenigstens während der Mahlzeiten oder abends nach dem Theater ein bißchen gemütlich plaudern können.

Karla war von Natur mitteilsam und gesprächig. Sie hatte, wenn sie aus dem Theater kam, immer tausenderlei zu erzählen. Er hörte zu mit nachsichtigem Lächeln. Manchmal gähnte er. Oder aber er stand plötzlich auf und setzte sich an den Schreibtisch.

„Einen Augenblick, Karla — ich habe etwas Wichtiges vor!“

Karla kauerte sich in die Sofaecke und griff zum Stadtanzeiger. Sie las zumeist nur das Feuilleton und die Lokalberichte. Einmal fielen ihre Augen auf einen Schauspielbericht: „... unser verdienstvoller Altmann war etwas eintönig“.

Sie erschrak und legte unwillkürlich die Hand auf das Blatt. Dann schlich sie aus dem Zimmer und warf die Zeitung in das erlöschende Herdfeuer der Küche. Nach einer kleinen Weile fragte Altmann nach der Zeitung. Karla gab sich den Anschein, als suche sie beflissen in allen Ecken. Sie guckte sogar unter das Sofa. Das Blatt blieb unauffindbar. Altmann nahm Hut und Mantel, um auf ein halbes Stündchen ins Café zu gehen.

Karla spähte ängstlich nach seinem Gesichtsausdruck, als er heimkam. Aber sie konnte keine Veränderung entdecken. Hatte er nicht gelesen? ... Bei seiner Empfindlichkeit — er war imstande und ging zum Redakteur, stellte ihn, vergriff sich an ihm.

Sie wartete sogar auf eine kleine Sensation, und es war fast eine Enttäuschung für sie, daß nichts eingetroffen war von dem, was sie gefürchtet hatte.

Die Angriffe gegen Altmann wiederholten sich. Sie ließ die Zeitungen ruhig liegen. Eine brennende Neugier erfüllte sie, wie ihr Mann sich dazu äußern würde.

Er äußerte sich gar nicht. Durchflog die Spalten nach wie vor mit gleichgültigstem Gesicht.