Dr. Maurer schmeckten solche Abfälle bitter. Aber seine ursprünglich laue Ablehnung war von den Schwestern kategorisch als völlig ungerechtfertigt niedergeschrien worden. Warum sollte man nicht annehmen, was so freundlich geboten war? Hatten sie es denn so reichlich in der Culmstraße? Die Kinder wollten auch mal was Gutes essen! Die Kinder wollten sehr! Und wenn sie im voraus wußten, daß bei Stowns ein Diner stattfand, so verlangten sie, wie einen schuldigen Tribut, daß Tante Luise ihnen allerlei mitbrachte. Adele aber sparte an diesen Tagen die Nachspeise und baute von den mitgebrachten Überresten ein leckeres Dessert auf.
So trank man eine Zeltinger — besseren Jahrgang — aß dazu die Stownsche Apfeltorte, ließ das Kind leben, erörterte die Frage, wann die Taufe stattzufinden hätte und welchen Namen man ihm geben könnte.
„Das weiß ich nicht. Das müßt ihr ausmachen“, sagte Altmann.
Dr. Maurer lachte vor sich hin.
„Lieber Ernst — bei uns hat man mindestens ein halbes Jahr nach Namen gesucht! Und was kam schließlich heraus? Vicki und Fritz. Hochoriginell, was?“
Karla verspeiste ihr zweites Stück Torte und schwieg. Mochten sie ihr Kind doch nennen, wie sie wollten. Für sie hieß und würde es immer nur einen Namen haben: „Schmerzchen“. So hatte sie es im Übermaß ihres allerersten Mutterglücks genannt, in der ersten Ekstase, der selbst heftigstes Leiden zu tiefster Lust wird.
„Ja, Karla — wie fändest du Elsa?“ fragte Altmann. „In Erinnerung an deinen größten Erfolg bisher?“
„Hm ... hm ...“
Karla nickte. Sie war einverstanden. Elsa Altmann. Klang hübsch. Freilich die zwei a’s ...
„Oder Isolde?“ schlug Luise vor, die Wagner nicht so ganz ablehnte.