Ihre großen, hervorstehenden Augen, in denen etwas nachdenklich Animalisches lag, taten es ihm an. Er mußte an die Pferde denken, denen einst seine besten Gefühle gegolten hatten. Er brachte die Lucca nach Amerika.

Wenn er wenig an ihr verdiente, so lag es eben an dem letzten Rest deutscher Sentimentalität. Sie war, obwohl schon alternd, die erste und letzte Frau, die ihn hatte beglücken können durch das Gewähren eines Handkusses.

Jedenfalls hatte er an ihr gelernt, daß es ein gutes Geschäft war, deutsche Künstler nach Amerika zu bringen. Für ihn blieb auch die Kunst Ware, wie einst die Klondyker Tänzerinnen. Aber um sie mit Gewinn loszuwerden, bedurfte es der Aufmachung. Er engagierte mit Vorliebe unbekannte Leute. Und wenn ihm etwas Spaß machte, so war es „einen zu machen“. Noch größeren vielleicht, den von ihm „Gemachten“ fallen zu lassen, ihn — wie er sagte — „in der Versenkung verschwinden zu lassen“.

Vielleicht war es uneingestandene Angst, daß sein Geschöpf über ihn hinauswuchs — ihn meisterte. Vielleicht aber auch nur ein teuflisches Vergnügen, das er sich manchmal leistete. Wie es ihm als Goldgräber Vergnügen gemacht hatte, einen armen Lumpen, der nachts ein paar Körnchen Gold aus seinem Clam stehlen kam, gerade in dem Augenblick niederzustrecken, wenn er sich schon in Sicherheit gewähnt hatte.

John Russel stand auch dem Leben mit einem geladenen Revolver in jeder Hand gegenüber. Aber es waren immerhin ein paar Jahrzehnte seit jenen harten Anfängen und wilden Abenteuern verstrichen. Die Revolver streckte er heute nicht mehr sichtbar entgegen. Er hatte polierte Nägel, trug Anzüge vom ersten New-Yorker Schneider und seidene Unterwäsche. Das Raubtierartige seiner scharfblickenden, beinahe schwarzen Augen war gemildert durch den silbrigen Glanz seines kurzgeschnittenen Haares.

Die Frauen blickten sich auf der Straße nach ihm um. Er war eine ungewöhnliche Erscheinung, und der gute Fuchs renommierte mit ihm. Mit seiner Erscheinung, seinem Geld und seiner „Anständigkeit“.

Diese Anständigkeit bestand hauptsächlich darin, daß er niemals die Gagen schuldig blieb und einem Sänger, den er vor Ablauf des Vertrages rausschmiß, ohne zu zögern das Geld für die ganze Zeit nachwarf. Für anderes und mehr hatte Fuchs auch gar kein Interesse. Jedenfalls konnte Altmann sich gratulieren, wenn Karla das Engagement bekam.

„Ich begleite meine Frau selbst“, sagte Altmann und setzte sich ans Klavier.

John Russel warf kaum einen Blick auf Karla. Er hatte einige Briefe in der Hand, die er öffnete und aufmerksam las.

„Fangen Sie nur immer an ....“