„Küßt mir Schmerzchen.“ Sie brachte es kaum noch über die heißen, roten Lippen. Gleich darauf flatterte ihr Tüchlein.
„Der Papa kommt noch ... der liebe Papa!“ ...
Er kam — elastisch, elegant, in seinem auf Taille gearbeiteten Überzieher. Er hielt ein paar Teerosen in der Hand und vollführte mit ihnen zierliche Figuren in der Luft. Dann warf er sie Karla ins Fenster — graziös und sicher, und begrüßte die Familie mit einem mehrfachen kurzen, höflichen Neigen des Zylinders.
„Du, Kleine ... im Dezember findet in New York ein großes Schachturnier statt. Wenn du gerade da bist, grüße Tschigorin von mir. Nicht vergessen! Schreibe ihm. Er wird schon kommen. Sage, ich erwarte ihn bei mir im April. Tschi—go—rin ... Herrgott, Kleine, den kennt doch jedes Kind! ... Nicht weinen ... ta ta ta ... Unsinn — Paa — Paa!“
Der Papa war ganz allein da. Er sah niemanden und kümmerte sich um niemanden. Hinter ihm flatterten Tücher auf, flogen Hüte in die Luft. Er lachte, er schickte Kußhände.
Altmann stand hinter Karla. Er sah älter aus als sonst. Im übrigen war sein Gesicht unbeweglich wie immer. Vielleicht noch etwas starrer. Er haßte Rührszenen auf offener Straße. Und es ging ihm um mehr als nur um einen Reiseabschied.
Karla packte. Es war gar nicht leicht, die langen Schleppkleider in den schmalen Koffern kunstgerecht zusammenzulegen. Die Nordeni reiste nie anders als mit einer Zofe. Nordeni ... zum Lachen! Das „i“ hatte sie sich angehängt wie einen Similistein. John Russel hätte es gern gesehen, wenn sie selbst sich King statt König genannt hätte. Aber sie dachte nicht daran.
Hochrot im Gesicht, mit offener, weißer Morgenjacke lief sie zur Tür des Nebenraumes: „Schreibst du noch lange?“