Karla mußte in der Umzäunung bleiben, bis das Konzert zu Ende war. Irgend jemand von den Künstlern besorgte ihr ein Glas Wasser. Aber sie hatte die Zähne fest aneinandergepreßt, und die Geigerin nahm schließlich ihr Taschentuch und kühlte ihr den Nacken. Da öffnete Karla die Augen.

„Ich will nach Hause ... nach Hause“, murmelte sie auf Englisch.

Die Geigerin fuhr ihr gutmütig über die Wange:

„Jetzt müssen Sie noch ein bißchen warten — bis das Konzert aus ist. Unsere Wagen sind noch nicht da. Aber ich hoffe, daß Sie noch vor der Abfütterung fortkommen.“

„Wie denn ...“

„Tja ... darling ... wir bekommen noch ein großes supper ... natürlich extra serviert. Und auf dem Teller findet jeder sein Honorar unter Briefumschlag ... manchmal sogar noch ein kleines Geschenk ... nichts sehr Wertvolles ... es ist ja nur ein Andenken ... etwa das verschlungene Monogramm des Hausherrn in Gold oder so ...“

„Aber ich will kein Honorar, kein Monogramm ...“

Der Sänger kam zurück, dicke Schweißperlen auf der Stirn; irgendein Fräulein, das als Baby angezogen war und eine Riesenpuppe im Arm trug, hüpfte an der Hand des Herrn hinaus in den Konzertsaal. Ihre Spezialität waren naive Kinderliedchen, die eine schamlose, doppelsinnige Pointe hatten. Die Damen wollten immer nicht verstehen, warum sich die Herren bei den harmlosen Vorträgen der kleinen Person so gut unterhielten. Jedenfalls verdiente sie sehr viel Geld mit ihren „babysongs“. Der Sänger — er gehörte seit einigen Jahren zu John Russels Gesellschaft — warf seine Noten ärgerlich auf den Tisch.

„Wenn die kleine Kröte noch einmal auf demselben Programm mit mir figuriert, dann sage ich ab. Aber daß Sie, kleine Frau, sich derartig würden ins Bockshorn jagen lassen von der Gesellschaft, das hätte ich nicht geglaubt.“

Karla biß in ihr Taschentuch hinein.