„Sie müssen sich doch nur immer vergegenwärtigen, vor wem Sie stehen. Die Dame in Blau und Gold ist die Frau des Hauses; ihr Schwiegervater hat noch ein Schlächtergeschäft betrieben in New York, und die Dame in Schwarz, mit den Brillanten, ist die Tochter eines Weizenexporteurs en gros und Enkelin eines Auswanderers ... Zwischendeckpassagiers — tjawoll! Wenn die Herrschaften unter sich bleiben wollen, dann müssen sie wirklich die rote Schnur ziehen!“
Ungeduldig, mit brennenden, trockenen Augen und zerbissenen Lippen stand Karla König auf. Sie war wie im Fieber. Um keinen Preis durfte jemand aus der Gesellschaft sie noch sehen. Noch einmal ertrug sie die spöttischen oder kalten Blicke dieser Menschen nicht.
„Nun ... wie war’s?“
Altmann verstummte, als er ihr blasses, gleichsam zerknittertes Gesicht erblickte. Das kostbare Kleid schleifte über den Boden, der Umhang glitt von den wie eingeschrumpften Schultern.
„Was ist denn geschehen, Karla? ... So rede doch!“
„Blamiert habe ich mich — weiter ist nichts geschehen.“
„Du siehst, Karla, ich wollte dich selbst begleiten.“
Aber sie zuckte die Achseln:
„Ach, du ...!“
Es gab ihm einen Stich. So wenig bedeutete er ihr? So völlig gleichmütig ging sie über ihn hinweg?