„So, Herrschaften, das andere übernimmt dann wohl für heute Kollege Schädlowski.“

„Aber ja, gewiß ... selbstverständlich ... bitt’ schön.“

Herr Kapellmeister Schädlowski — ein hocheleganter Österreicher, mit schrägem Scheitel und engen Offiziersärmeln, schwang sich über die Rampe ins Orchester hinunter. Er war außerordentlich gewandt, dirigierte mit kokettem Heben des kleinen Fingers und betrachtete die Soubrette jedes Theaters als sein ihm nicht zu bestreitendes Eigentum. Er brachte künstlerisch nie ernstzunehmende Vorstellungen heraus — alles war nur halb studiert und das meiste geschludert. Doch hatte er Schwung und verstand es, einen Walzer zu bringen. Seine Lieblingsoper war der Gounod’sche Faust.

Karla stand mitten auf der Riesenbühne und schlang die Hände ineinander. Es fiel ihr ein, wie Alwin gesagt hatte: „Mach’ Schluß, Junge ... was Besseres kommt nicht nach ...“

Ob der Mann da unten, mit den verkniffenen Zügen und dem struppigen, grauen Haar um den Riesenschädel, es auch so gemeint hatte? ... Sie lächelte verträumt, hätte dem Gefürchteten gern ein gutes Wort hinuntergerufen, denn gar zu eilig, gar zu ungeschickt balgte er sich mit seinem Mantel herum, der ihm nicht auf den Schultern halten wollte ... Seine großen Füße in den klobigen Stiefeln blieben an den Pultbeinen hängen.

Er schimpfte was vor sich hin, stolperte die erste Stufe hinunter.

In dem kurzen Gang, der das Orchester mit dem Stimmzimmer verband, stieß er auf Altmann.

Kapelle blieb stehen und rückte an seinem Hut.

„Sie ... ist das Ihre Frau, die da oben die Agathe singt, ja? ... Na, dann packen Sie sie ein und fahren Sie dahin zurück, wo Sie hergekommen sind. Was soll die Frau hier? Die Ochsen verstehen ja doch nichts ... Passen Sie auf ... das Klima dort unten ... passen Sie auf, sage ich Ihnen!“

Wieder rückte er an seinem Hut und stolperte weiter.