Also: „Ich habe Dich sehr lieb, mein gutes Mamachen, und schicke Dir tausend Küsse. Dein Schmerzchen.“

Dr. Alwin Maurer las Schmerzchen ihr Geschriebenes ordnungsgemäß vor. Sie fuhr sich mit der kleinen, gemarterten Hand über das hellbraune Haar, das die eigensinnige kleine Stirn so hübsch einfaßte.

„Nicht Mama küssen! Papa küssen!“ ...

Alwin Maurer blickte auf.

„Warum denn, Papa?“

Schmerzchen wußte noch nicht genau, warum. Ganz langsam und verworren reiften in ihrem kleinen Hirn folgende Erkenntnisse: Wenn Mama käme, würde sie „hauen“, wie Tante Adel sagte. Alle Mamas und Tanten hauten ... auch von Vicki gab es Klapse. „Fitz“ und Onkel Al hauten nicht. Auch der „Gooßpapa“ nicht. Papa somit auch nicht. Papa verdiente viel mehr Küsse als Mama ... viel mehr ...

„Papa schreiben“, verlangte sie nun mit aller Entschiedenheit ihrer zwei Jahre.

Alwin Maurer ließ Schmerzchen von seinen Knien herabgleiten.

„Später ... jetzt hat Onkel keine Zeit ... Onkel muß arbeiten ...“

Schmerzchen nickte ernsthaft. „Abeiten“ — das Wort kannte sie. Wenn es fiel, mußte sie immer ganz still sein, ganz leise mit ihren Puppen spielen. Und eigentlich hatten sie alle den ganzen Tag zu „arbeiten“ — der Onkel und der „Fitz“ und die Vicki ... Nur vormittags ... Aber da hatte Tante Adel Kopfwehweh ... und da durfte sie auch keinen Lärm machen ...