John Russel hatte der Gesellschaft acht spielfreie Tage geschenkt. Inzwischen zimmerten farbige Arbeiter eine Scheune mit einer Bühne. Die Scheune war schon — als die ersten Latten genagelt wurden, zehnmal zu nie dagewesenen Preisen ausverkauft, und seitdem pilgerten, sowohl die Ansiedler der deutschen Kolonie wie Portugiesen aus der Umgegend zur Baustelle. Sie kamen in wundervollen Wagen, mit Pferden bespannt, über die leuchtende blaue, rote und gelbe Netze geworfen waren. Sie kamen hoch zu Roß, den Tropenhelm im Nacken. Sie kamen zu Fuß. Da waren Damen in extravaganter europäischer Kleidung — der verkannten Mode des vergangenen Jahres —; andere in Toiletten von Worth und Doucet; blonde Kolonistenfrauen in fußfreiem Rock und weißer Bluse, einen Schleier um den Kopf gebunden, den roten oder weißen Sonnenschirm in der Hand; da standen mit weitgeöffnetem Mund ganze Indianerfamilien — die Eltern mit seltsam vornehmem Anstand und doch bescheiden, als wollten sie ihren leuchtenden braunen Körper unter all dem Blendwerk von duftigen Spitzen, Seidengefälle und Schleiergeweben vertuschen ...

Ein geschäftskluger Deutscher hatte ein Zelt aufgeschlagen; darin brauten seine Frau und seine Tochter schwarzen Kaffee; ein paar Neger in weißen Leinwandanzügen schlängelten sich geschickt zwischen den leichten Bambusstühlen und Tischchen herum, die wie ausgestreut schienen zwischen den Palmen, und brachten den Gästen Limonade, Absinth und Whisky.

Wenn die zwei Regenstunden vorüber waren, dann belebte sich die Straße, die zum „Theater“ führte, wie zu einem Korso. John Russel sah es gern, wenn die Herren seiner Gesellschaft das „Theatercafé“ besuchten. Von den Damen durften sich nur die Choristinnen dort sehen lassen.

„Wenn man eine Künstlerin täglich umsonst auf der Straße sehen kann, wird keiner so närrisch sein, für dasselbe Vergnügen am Abend fünfzig oder hundert Dollar zu bezahlen.“

Mariette brauchte sich an das Verbot nicht zu kehren — sie war ja keine Künstlerin. Ihr reizendes Figürchen wurde sehr bemerkt, und mancher Kunstschwärmer versuchte es, sich ihr zu nähern. Ihre auffällig zur Schau getragene Sprödigkeit mehrte ihre Erfolge. Viele hielten sie für Altmanns Frau, weil man sie oft an seiner Seite sah, wenn er mit den Arbeitern sprach und das Ausladen der Dekorationen beaufsichtigte.

Altmann merkte es kaum, wie eifrig sie sich an seine Fersen heftete. Er gab ihrer nimmermüden Bereitwilligkeit allerlei kleine Aufträge. Bald galt es, Vorhänge zuzuschneiden, bald Damenkostümen durch kleine Abänderungen eine gefälligere Form zu geben.

„Sie haben so viel Geschmack“, sagte er mit einem schwachen Versuch, ihr etwas Angenehmes zu sagen.

Bei einbrechender Dunkelheit gingen sie heim. Die Nacht kam wie ein heimlicher Dieb; sie war da, ehe man sichs versah.

„J’ai peur“, murmelte sie und hing sich in seinen Arm ein.

„Aber wovor denn? ...“