Karlas Tür war abgeschlossen.

Auf sein Pochen und Rufen drehte sie den Schlüssel um. Sie hatte ihr Morgenkleid aus Rohseide an, und ihre Augen brannten in dem runden, bleichen Gesicht.

Er wollte sie in seine Arme ziehen, sie trat zurück, als merkte sie es nicht, ging zum Tisch und schloß ihre Schreibmappe ab.

„Hast du nach Hause geschrieben?“ fragte er und suchte seiner Stimme Festigkeit zu geben.

„Nach Hause? ... Meinst du, Papa? Meinst du die Motzstraße? Ich weiß nicht, wo ich zu Hause bin ...“

Sie wendete sich ab und trat zum Fenster, als wollte sie hinaussehen. Aber das konnte sie nicht, denn der Rolladen war herabgelassen.

Er stellte sich hinter sie und streichelte ihre Arme.

„Wir wollen morgen nach dem Regen eine Ausfahrt machen, Karla ...“

Sie sah in der dunklen Scheibe das Gesicht ihres Mannes. Sah es zum erstenmal unsicher und gleichsam schuldbewußt. Da war es ihr, als stünde sie plötzlich ganz allein in dem fremden Land, ganz allein im Leben ... so allein wie die Nordeni ... Und sie schlug die Hand vors Gesicht und drückte die heiße Stirn gegen das kühle Glas.

Am nächsten Tage aber nach dem Regen fuhren sie aus. Die Nacht hatte stumm und feindlich zwischen ihnen gelegen, und sie hatte nicht geglaubt, daß Altmann noch an die Ausfahrt dachte. Aber dann kam er und sagte, sie möchte sich nett anziehen. John Russel hätte gegen die Korsofahrt nichts einzuwenden, nur möchte sie einen recht dichten, aber kleidsamen Schleier vornehmen.