Karla lachte jetzt.
„Wir sollen also Reklame fahren für Russel?“
„Aber nein. Nur, wenn wir schon fahren, dann ...“
Karla hörte nicht mehr zu. Sie riß die Schränke auf, warf ihre Kleider durcheinander. Was sie anziehen sollte, müßte er ihr sagen! Das weiße, mit den schwarzen Spitzen, oder das blaue, mit der schönen Stickerei? Herrgott, er sollte doch kein so dummes Gesicht machen! Er wüßte ganz genau, was hübsch sei und ihr zu Gesicht stünde. Und helfen durfte er ihr auch. Vor den Niggermädeln im Hotel hatte sie geradezu Angst.
Ihre Röcke lagen auf dem Boden, ihre Schuhe flogen in die Ecken. Von Kopf zu Fuß mußte alles frisch, blütenweiß und so elegant wie nur irgend möglich sein. Tja ... Warum hatte sie eigentlich Trübsal geblasen all die Tage? Zu dumm war sie gewesen! Und hatte sich Gedanken gemacht ... so unsinnige Gedanken ... einfach lächerlich! Wo er doch ein so lieber, tüchtiger, fleißiger Mann war, ohne den selbst Russel gewiß nicht mehr auskommen würde ... Konnte er die dumme Gans, die Mariette, verhindern, hinzugehen, wohin sie gerade wollte?! Und wenn sie sich an seine Rockschöße hing ... was konnte er dafür? Eigentlich war es sogar nett, mit einem Mann verheiratet zu sein, der anderen Frauen gefiel ...
„Laß dich mal ansehen, du ...“
Sie faßte nach seinem Gesicht, küßte ihn ... drückte sich an ihn.
„Du, Karla, der Wagen kommt gleich.“
Ach was, der Wagen! Wenn er gar nicht käme, wäre es noch besser. Dann wären sie eben allein in ihren Zimmern geblieben, hätten abgeschlossen, die Rolläden heruntergelassen ... hätten ... Alle Wonnen ihrer beseligenden jungen Mutterschaft erwachten plötzlich in ihr. Eine flammende Röte schoß über ihren Nacken, ihre Brust, ihre Arme. Wie mit Blut übergossen stand sie mitten im Zimmer und nestelte an den langen Senkeln ihres Mieders.
„Was ist denn Karla ... was hast du denn ...?“