Wie war der Mann gut — nein, wie war er gut! ....
Die Katze war vergessen.
Abends rief Altmann sie an seinen Schreibtisch und zeigte ihr die Briefe der Theaterleiter, die Eventualverträge. Da ging ein Zittern durch ihren Körper.
„In all den Städten soll ich singen? Ist das wahr? ... Wirklich wahr? ...“
Sie fiel ihm um den Hals, sie küßte seine Stirn, seine Augen, seine Hände. Sie lachte und sprang trällernd im Zimmer umher.
Wie ein Hündchen folgte sie ihm in den nächsten Wochen. Ein Mann, der das alles zustande gebracht! Ein Mann, der sie zur großen, berühmten Sängerin machte! ... Ein Mann, der ihr ein heißes, begnadetes Leben schenkte! Ein Mann, der ihr die Tore öffnete, zu allem, was es Großes, Wundervolles, Beglückendes in der Welt gab! ... Und dieser Mann war ihr Mann! ...
Sie fing an, ihn zu lieben, mit scheuer, inniger Zärtlichkeit. Sie lächelte sanft, wenn er sie während der Stunden verhöhnte, sie zitterte, wenn er seine dunklen, geraden Brauen hob, und die tiefen Mundwinkel seiner blassen, feinen Lippen sich senkten. Und ihr Herz schlug glückschwer und erwartungsvoll, wenn er langsam die eingelaufenen Briefe mit der langen Schere aufschnitt.
Es waren zumeist gute Nachrichten.
Bald nach Weihnachten holte sie sich eine Erkältung auf der zugigen Bühne. Es war nicht das erstemal, und sie pflegte nie viel Aufhebens davon zu machen, beurlaubte sich auf eine Woche, lag mit Prießnitzumschlägen zu Bett, schluckte Aspirin und trank Kannen heißer Limonade.
Altmann genügte nicht einmal der Theaterarzt, den er sofort zu sich bat. Karla erschrak, als sie einen wildfremden Herrn an ihr Bett treten sah, einen Herrn Geheimrat, dem sie Zunge, Hals und Brust zeigen sollte. War sie denn so krank?