Altmann schaffte Inhalationsapparate an, allerhand Pinsel und Arzeneien standen auf ihrem Nachttisch. Er wechselte ihr selbst die Kompressen und pinselte ihr den Hals aus, unbarmherzig gewissenhaft.

Als sie das erstemal zur Probe kam, schenkten ihr die Kolleginnen Blumen.

Da fing sie an zu weinen. Sie küßte die Blumen und sprach den ganzen Tag nur davon, wie lieb und gut die Kolleginnen wären.

Altmann wurde bitter. Zum ersten Male.

„Zu Blumen hat es nicht gelangt.“

Karla fand ihr Zimmer wieder trostlos und leer, und abends graute ihr vor dem Bett, in dem sie solange krank gelegen.

Ausbrüche plötzlicher Leidenschaftlichkeit wechselten ab mit Tagen stumpfen Hindämmerns. Wenn ihr auf der Straße Kinder in den Weg liefen, bückte sie sich zu ihnen herab und küßte sie. Wenn eins fiel, hob sie es auf den Arm, schaukelte, tröstete es. Zweimal kam sie dadurch zu spät zur Probe.

Wenn Altmann mit ihr studierte, war sie oft unwillig, bestenfalls zerstreut. Er zitterte oft vor verhaltenem Ärger. Sie tat, als merkte sie es nicht, oder — vielleicht sah sie es auch wirklich nicht.

Sie knixte, wenn er ihr etwas sagte: „Jawohl, Herr Lehrer!“ Oder aber sie weigerte sich zu üben; sie hätte Kopfschmerzen, es kratzte sie etwas im Halse; sie hätte schlecht geschlafen und wäre matt.

Abends im Theater sang sie schöner denn je. Und kein einziges Mal warf sie ihm einen Blick zu. Als ob sie nicht wüßte, daß er immer da unten auf dem Eckplatz in der zehnten Parkettreihe rechts saß.