Sie fragte auch nicht: „Nun, wie war’s?“, wenn er sie aus der Garderobe abholte. Hatte sie Blumen bekommen, so hielt sie sie sorglich und auffällig im Arm, und wenn vor dem Bühneneingang die üblichen jungen Enthusiasten warteten, dann schlich sie sich nicht mehr scheu an ihnen vorbei, sondern hob den hübschen dunklen Kopf und sah ihnen mit strahlendem Lächeln in die bewegten, heißen Gesichter.
Eines Tages legte Altmann einen Gastspielvertrag zur Unterschrift vor sie hin. Drei Abende. Als Pamina, Elisabeth und Elsa. Und für jeden Abend zweihundert Mark. So viel, wie sie hier im ganzen Monat verdiente.
Altmann wußte: Jetzt kam der große Jubel; jetzt sprang sie mit dem Vertrag im Zimmer umher, stürzte ans Klavier und zerrte ihn auf den Hocker. Jetzt ließ sie nicht ab von ihm, bis er nicht wenigstens eine der drei Partien mit ihr durchgenommen. Jetzt gleich lagen ihre Arme um seinen Hals, und ihre frischen, vollen Lippen drückten sich in sein Gesicht ...
Es verging eine Minute, die zweite .. Nichts von alledem geschah. Sie sah ihn gar nicht an, zählte nur an ihren Fingern irgend etwas ab.
„Was rechnest du aus, Karla?“
„Ob ich noch auftreten kann, falls ... es sind noch drei Monate bis dahin.“
Mit einem Satz war er bei ihr, riß ihre Hände an sich. Drückte sie so fest, daß sie glaubte, er wolle ihr wehe tun.
„Glaubst du denn, Karla ... Hast du irgendwelchen Anhalt dafür, daß ...“
Sie zuckte die Achseln.
„Ich weiß gar nichts ... aber es könnte doch sein, nicht wahr? Wir sind verheiratet ... es wäre immerhin natürlich.“