Sie hörte seinen schweren Atem. Sie sah, wie er sich mit dem Tuch über die Stirn fuhr ...

Sie hätte sich mit den Nägeln in sein Gesicht einkrallen mögen, in sein schönes, vornehmes Gesicht.

Aber er faßte sich.

„Warum behältst du denn alles für dich? ... Wir wollen zum Arzt gehen. Man muß doch wissen. Ich muß doch disponieren können! Den ganzen Tag sitze ich am Schreibtisch, opfere meine Zeit, verbrauche Papier, Marken ... zerbreche mir den Kopf, wie ich alles am besten anordne und verteile — und nun wirfst du alles über den Haufen durch ein Wort! Wann — glaubst du denn ...?“

Seine Stimme klang hart und doch unsicher.

Sie saß bequem zurückgelehnt und blinzelte vor sich hin.

Sie hörte seine Angst durch den harten Klang, und diese Angst weckte ihre Lust, ihn zu quälen, ihn abhängig zu fühlen von ihr, von dem Schicksal, daß sie selbst ihm schuf.

Aber — eigentlich wußte sie gar nichts Bestimmtes. Manches, was sie als Symptom auslegte, war wohl nur Einbildung, weil sie so tief in sich hineinhorchte. Weil sie es so heiß ersehnte. Weil der liebe Gott sie zur Mutter erschaffen hatte — viel mehr als zur Sängerin. Weil selbst ihr Singen nichts war als ein Schrei nach Verdoppelung ihres Wesens.

Altmann drängte:

„So sprich doch, Karla ... so sag’ doch ...“