Ein Rolladen wurde hochgezogen.
Karla schnellte auf. Ihr Herz schlug nicht mehr. Sie hörte Schritte ... sie glaubte, sie zu hören, denn der Regen überlärmte alles ...
Karla lief in ihr Zimmer zurück, riegelte die Tür ab und warf sich schluchzend auf ihr Bett.
Als Altmann seine Stube betrat, sah er nur eine weiße Decke auf der Erde und auf dem Nachttisch die von ihm bereits vermißte Nadel ...
— — — — Um zehn Uhr erst ging Karla hinunter zum Frühstück. Sie war zum Ausgehen angekleidet und hatte gerötete Augenlider. Da es spät war, war sie die einzige im Frühstücksraum. Als sie ihr Ei aufgeklopft hatte, kam Altmann, mit hochgeklapptem Mantelkragen.
„Rasch, Karla, ich bin mit dem Wagen draußen ... wenn du die Probe noch mitmachen willst ...“
„Gewiß ... ja.“
Sie sah ihn nicht an. In ihrem Leben hatte sie sich nicht so geschämt. Der Klang seiner Stimme, die ungewohnt rasche Art seines Sprechens — alles war gemacht, unnatürlich. Sie war bereit gewesen, alles zu verzeihen — jetzt stieg der Zorn wieder wie eine heiße, lodernde Flamme in ihr auf, aber es mischte sich ihm etwas bei, was ihr neu war an ihr selbst: Überlegenheit — beinahe Verachtung.
„Ich bin fertig, wir können fahren.“
Auch ihre Stimme klang anders als sonst. Gemacht höflich, kühl ...